Ungefähr so fing es an

Musik war immer schon Teil meines Lebens.
1952 geboren und aufgewachsen im Aachener Land, gehörte ich zu denen, die in der Schule noch Noten lesen gelernt hatten. Doch nach kurzem Debüt als Flötistin in der „Volksschule“, später Gitarristin, Querflötistin und schließlich Bassistin auf der höheren Mädchenschule, bahnte sich ein Interessenkonflikt an: Die Mädchenwelt der Schule war geteilt zwischen Heino-Fans und Holland-Fans. Die holländische Grenze war gleich um die Ecke und nachdem ich mit 14 Jahren aus der Schulband „entfernt“ worden war, weil ich während der „modernen“ Jugendmesse beim Bassgitarre spielen mit der Hüfte gewippt hatte, verließ mich für immer der Glaube an die Toleranz der Kirche und ich machte musikalisch und freizeitmässig gesehen rüber zu den bekifften „brothers and sisters“ von Heeren, Sittard, Roermond und später Amsterdam, wo ich mit jungen Indonesiern mit Migrationshintergrund eine Soulband gründete. Es war die Zeit von „black is beautiful“, und da Angela Davis aufgrund ihrer Hautfarbe nur schwer mein Role Model sein konnte, suchte ich unbeirrt weiter.

Mit 18 Jahren kam ich nach Berlin zum Studium an die Universität. Als „Sponti–Linke“ hatte ich ein herrliches Leben. „Anything Goes“ war unsere Devise, wir sahen es nicht so wie die parteiorientierten Studenten der K-Gruppen, die in „Kapital I, II, III- Kursen“ vor sich hin müffelten und gar nicht wussten, wie der „Klassenfeind“ überhaupt in Wirklichkeit aussah. Ich glaubte und glaube noch heute an die Kraft von Avantgarden, kleine mutige Gruppen mit Peer Leader Funktion, die offen oder subversiv auf soziale Diskriminierungen, Widersprüche und Vorurteile aufmerksam machen und Gespräche in Gang bringen. Wir inszenierten unseren Widerstand mit Musik, Kulturinstallationen und Gegenaktionen. Die Professoren an der Hochschule, verunsichert durch die 68er Herausforderungen und ja geradezu schon zwanghaft tolerant, gaben uns unsere Bildungskredits auch für Straßensozialarbeit, Stadtteilkino für Kindertupamaros, Knastarbeit, Mädchenarbeit.

„Einzelfallhilfe“ war mir zu wenig, ich hatte zwar ein paar Pflegekinder zuhause, doch wir wollten den Menschen aus dem Kiez eine Stimme und eine Bühne geben (heute würden wir das „Activ Citizenship“ nennen und Geld dafür bei der EU beantragen).
Erst entstand die Spontizeitung 100 Blumen („Lasst hundert Blumen blühen“, Mao), dann gründeten wir die non-Profit Rockfront „ 100 Gitarren“ („Lasst hundert Gitarren knarren“ – frei nach Mao). Während „Ton Steine Scherben“ in Kreuzberg ihr Wesen trieben, nutzten wir die Alte TU Mensa in der Hardenbergstrasse, gleich um die Ecke vom Bahnhof Zoo für alle Art von Rockfesten.

Wie man ja überall nachlesen kann, entdeckte man in dieser Zeit, dass das Private auch das Politische ist und umgekehrt, und das gab jedem und jeder eine Chance groß heraus zu kommen. Alice S. hatte die Abtreibung von Frauen an die politische Öffentlichkeit gebracht. Als sie ein Stern Cover mit dem Selbstbekenntnis der Inge Meysel und vielen anderen Stars zu „Ich habe abgetrieben“ bekam, war sie auf einen Schlag bekannt und hatte Herrn Nannen nebenbei sehr glücklich gemacht, denn die Verkaufsziffern der Zeitung stiegen in schwindelerregende Höhen.
Das musste noch getoppt werden. Die Ärzte, die illegal abgetrieben hatten, sollten das nächste Selbstbezichtigungscover des Sterns bekommen. Roswitha B., die beste Freundin von Alice S., kam zu diesem Zweck ins Sozialistische Zentrum in der Stephanstraße, um im Rote Hilfe Büro nach Dateien linker Ärzte zu sehen, die man eventuell für diese Aktion erwärmen könnte. Zufällig traf sie auf mich beim Bürodienst. Sie hat sich von Herzen um die Adressen bemüht und schließlich waren wir ein Paar, da wir ja in der Phase der sexuellen Kreativität lebten. Mein schwuler Mitbewohner Walter S. setzte mich auch noch unter Druck und meinte zu Hause, „das wurde ja auch Zeit, dass Du mal was mit einer Frau anfängst. Von der Theorie endlich zur Praxis. Wie wäre es, wenn ihr hier am Cosimaplatz eine LesbenWG macht? Ich such mir dann was Neues…“

Eines Abends waren wir, Alice S., Ursula S., Roswitha B. und ich bei einer feministischen Historikerin zum Abendessen eingeladen. Es war ziemlich langweilig, doch glücklicher Weise stand dort ein Klavier. Eine gewisse Cillie Rentmeister, Kunsthistorikerin, entpuppte sich als flotte Pianistin. Ich fand noch eine Gitarre, auf der ich Bass spielte, und ein paar andere rockten auf irgendetwas mit. Cillies Freundin, Tina Perincioli, kannte ich gut aus dem Sozialistischen Zentrum. Sie führte damals die Zentrumskneipe und war gerade dabei, feministische Filmemacherin zu werden, was ich sehr bewunderte. Aus der 4er-Bande wurden dann sechs. Cillie und Tina hatten sich uns öfter angeschlossen, wenn wir abends ausgingen.

Alice plante ein Fest zum Thema ´sanftes Abtreiben´…Mich interessierte das weniger, nicht weil die Abtreibung kein Thema für eine Lesbe ist, sondern die Opferrolle war mir fremd, zumindest wollte ich nicht davon profitieren. Das war natürlich für viele Frauen ein ganz oberflächlicher Ansatz, wo doch gerade die Medien den Frauen tendenziell eine Opferrolle zuerkannten. Nicht immer: der Film, den Alice zu diesem Thema hatte machen lassen, wurde aus der geplanten Sendezeit im Panorama gestrichen. Ein Fest sollte deshalb her, um ihn dennoch der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich kümmerte mich um die TU Mensa, bestellte Getränke, schmierte den Hausmeister, damit er auf unserer Seite war – immerhin mussten wir 2000 Mark Kaution hinterlegen (5 Monate Barfög!), am Cosimaplatz wurde das erste Plakat ge-lay-outet und in Nacht- und Nebelaktionen wurden die U-Bahnhöfe damit bepflastert.

Tina (Cristina Perincioli) wollte unbedingt, dass an diesem Abend eine Frauen Live-Band spielt. Ich hatte Kontakte zur Londoner Lesbenszene, die eine Frauenrockband hatten. Doch anscheinend kamen die Frauen nicht von ihrer Wohnzimmercouch im Londoner Squad hoch, jedenfalls 3 Tage vor dem Fest standen wir definitiv ohne Band da. Das konnten wir so nicht stehen lassen – all die Arbeit nur für die Liberalisierung der Abtreibung? Wir wollten gemeinsam tanzen, neue Ebenen der Kommunikation genießen und natürlich waren wir sehr neugierig darauf, zu sehen, wer den Mut hat, auf der Fete überhaupt aufzukreuzen. Denn immerhin durften NUR FRAUEN aufs Fest (außer dem Hausmeister). Das allein trat schon eine gewaltige Diskussion in den linken WG´s los und nicht jeder „Frauenversteher“ akzeptierte plötzlich, dass die Frauen allein aufs Fest gehen wollten.

Die fieberhafte Suche nach weiteren Musikerinnen ging los, immerhin waren wir schon zu zweit, also Cillie und ich, auch wenn wir nur ein einziges Mal gemeinsam gespielt hatten, – damals bei Gisela B. – waren wir dennoch optimistisch. Rockfront besorgte die Anlage der Berliner Szeneband OS MUNDI, allerdings ohne Schlagzeug. Der Drummer war eigen, wieso sollte eine Frau seine „Schießbude“ berühren? Stattdessen organisierte Tina das Schlagzeug von Ton Steine Scherben, die im Prinzip sehr multi kulti waren und sich von uns Frauen nicht weiter gestört fühlten. Monika Mengel, eine Journalistin aus der Frauenmediengruppe, konnte sehr gut singen und sollte diesen Job übernehmen. Fehlte noch eine Gitarristin und Schlagzeugerin. Schließlich hab ich mal abwechselnd Gitarre und Bass gespielt. Als Schlagzeugerin fanden wir Swetlana Minkow, eine Musikstudentin, und somit die einzige Profimusikerin unter uns. Sie war toll und damit war der Beat zumindest gesichert. Das Tanzbein konnte geschwungen werden.

Die Mensa war voll, es waren über 2000 Frauen da. Die Stimmung war verrückt positiv, regelrecht ausgelassen. Im Prinzip spielten wir Rock´n Roll und wenn die Arme müde wurden und die Finger schmerzten, wurden wir langsamer und es wurde Blues, der von Monika Mengel hinreißend in Szene gesungen wurde. Doch um ehrlich zu sein, nüchtern betrachtet waren wir musikalisch gesehen grottenschlecht an diesem Abend und das war gut so, denn alle trauten sich, mitzuspielen und mitzusingen. Schließlich waren mindestens 30 Frauen mit uns auf der Bühne, es war eine Woge der Unterstützung und Freundschaftlichkeit, die uns schließlich überzeugte, eine gemeinsame Frauenrockband zu gründen und weiter zu machen.
M.S.

Frauenfeste als Initiationsritual

The Flying Lesbians spielten zum Tanz der freien Verhältnisse

Erstveröffentlichung:
Rentmeister, Cillie: Frauenfeste als Initiationsritual, in: Heinrich Böll Stiftung, Feministisches Institut (Hrsg.): Wie weit flog die Tomate? Eine 68erinnen-Gala der Reflexion, Berlin 1999.

„FLYING LESBIANS. Stamm von, wie ihr Name schon sagt, fahrenden Liebesgefährtinnen. Die Flying Lesbians kommen aus Germanien und haben überall Liebesgefährtinnen. Als Sängerinnen und Musikantinnen verdanken sie ihren Ruhm der Tatsache, daß sie in der Raserei, die die Gloriose Zeit einläutete, erste Gruppe von fahrenden Lesbierinnen waren.“ (Wittig/Zeig, Lesbische Völker, Ein Wörterbuch, Paris 1976, München 1981)

zum ersten mal – berlin 1974
musikszene vor 1974
die frauenbewegung tanzt
stimme der bewegung
hexenmusik oder „bastardmusik“?
der „kleine unterschied“
der blick der ethnologin
das fest als „coming-out-party“
einige jahre später

Zum ersten Mal – in Berlin 1974

Die Flying Lesbians wurden tatsächlich in rasendem Tempo zu fahrenden Lesbierinnen.
Welche andere Rockband hat sich schon über Nacht gebildet, zweimal geprobt und dann vor 2000 Personen gespielt? Und drei Monate später schon vor 30.000 im Ausland?

Was mußte dazu geschehen sein?
Berlin, April 1974. In Berlin ist ein Frauenzentrum seit einigen Monaten neu gegründet und benötigt dringend Geld; Alice Schwarzers TV-Beitrag in “Panorama” über eine schonende Abtreibungsmethode wird vor der Sendung abgesetzt; man kommt auf die Idee, daß ein großes Frauenfest das Geld einbringen könnte (nach dem Vorbild der linken Festivals, wie “Laßt 1000 Gitarren knarren!” der Berliner Rockfront), und daß man den Panoramabeitrag auf dem Fest den Frauen zeigen könnte. Last but not least: Die eigentlich gebuchte englische Frauenmusikgruppe sagt in letzter Minute ab.

So ergibt eine Premiere die andere: Das erste Frauenkalenderkollektiv veranstaltet für das erste Frauenzentrum in der Kreuzberger Hornstraße die erste “Rockfete im Rock”, das erste große öffentliche Frauenfest in der Alten TU-Mensa. Die Frauen tanzen zum ersten Mal zur Musik der ersten deutschen Frauenrockband in den 1. Mai 1974.

Kleber für 1. Rockfete im Rock
Alte Mensa der TU Berlin – Rockfete im Rock 1974. Plakat/Aufkleber

Die Band aus sieben Berlinerinnen nennt sich bald “Flying Lesbians”, und bleibt drei Jahre lang die Stimme und die “Stimmungsband” der “amazonischen Zeit” der Frauenbewegung: der radikalen, bewegten, euphorischen Gründerinnenzeit.
Aus dieser Zeit sollen nicht nur die “großen Themen” im Gedächtnis bleiben, nicht nur Demos und Projekte, nicht nur “218” und “Männergewalt”:
Ich möchte den Blick auf die groovende, die hedonistische Seite der Frauenbewegung lenken: Die Rhythmen und Rituale der Frauenbewegung, die tanzenden Kongresse, die Megaparties mit – auch in kleineren Städten – oft mehr als 1000 Frauen; wie wir – alle Beteiligten – durch (Rock-)Musik die Verhältnisse zum Tanzen und uns in Bewegung und außer Atem brachten(1). Denn die Frauenmusik, die Festkultur – auch dies sind Leistungen der Frauenbewegung und Teile des rebellischen Gesamtkunstwerkes, zu dem viele Frauen damals ihr Leben machten.

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…dann sollen sie meinen Hintern haben!“ Musikszene vor 1974

Was war los in der Musikszene vor der ersten deutschen Frauenrockband, vor dem ersten Frauenfest? Um den Unterschied zu verstehen, eine kurze Rückblende auf 1974: Selbst in den soeben gegründeten, frischgestrichenen Frauenzentren wurde auf den Parties zum Cock Rock der Stones getanzt, vielleicht sogar zu “I put you under my thumb”, oder zu “Midnight Rambler”, wo sie einen Vergewaltiger besingen(2).

Im deutschen Musikgeschäft waren Rock-Frauen nicht in Sicht – jedenfalls nicht als Musikerinnen. Für die sogenannten “Rockladies” oder “Rockmiezen” gab es praktisch nur die Rolle der Sängerin. Frauen sollten gesehen, nicht gehört werden – und sich freimachen, nicht sich befreien. Wenige Wochen nach der ersten Berliner “Rockfete im Rock” präsentiert die BZ/Berliner Zeitung die Ladybirds aus Dänemark mit der Bildunterschrift: “Vier Mädchen sind so frei, sich freizumachen – Heiße Rhythmen von kühlen Mädchen.”

ladybirds

„Vier Mädchen sind so frei, sich freizumachen …Heiße Rhythmen von kühlen Mädchen – die Ladybirds aus Dänemark.“ BZ/Berliner Zeitung, 13.6.74

Selbst Schlagersängerinnen verkauften sich schlecht, denn die meist weiblichen Käuferinnen wollten Männer hören(3). Joy Fleming mit der großen Soul-Stimme wurde als “singende Hausfrau” bespöttelt.
Tina Turner trat noch mit Ike auf, ihrem prügelnden Ehemann, und hatte gerade gesagt: “Wenn mein Hintern die Leute dazu bringt, meiner Stimme zuzuhören – dann sollen sie meinen Hintern haben.”

Aus Liverpool hatte es mit den Liverbirds einen Hoffungsschimmer gegeben. Die waren 1963 zu John Lennon im Cavern-Club in die Garderobe gegangen und sagten: “Wir fangen auch ne Band an!”. John Lennon sagte: “Ja? Alles Mädchen? Na, macht mal – das wird bestimmt nie was!”(4) Die Liverbirds hatten mit ihrer geradlinigen Musik Erfolg, vor allem in Deutschland, – fünf Jahre lang bis 1968.

ladybirds

Liverbirds

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Die Frauenbewegung tanzt

“frauen kommt her wir tun uns zusammen
gemeinsam sind wir stark!
solang du allein, wirst du getreten
solang du allein, kannst du dich nicht wehren
solang du allein, mußt du dich fügen
tag und nacht…
…frauen werden autonom, frauen schwimmen gegen den strom,
frauen bringen frauen viel, zwischen frauen ist ein ganz
spezifisches gefühl”
Flying Lesbians

Ab 1974 vergewisserten sich die bewegten Frauen der neuen Stärke und Gemeinsamkeit nicht nur auf Demos, sondern auch im Frauenfest. Es bestätigte die neue “frauenidentifizierte” Identität durch Tanz, Musik, Essen, Trinken, Lust, in wilder Mischung mit politischen und kulturellen Darbietungen, und gelang machmal zum Gesamtkunstwerk(5). Mit ethnologischem Blick würde ich es als selbstgeschaffenes Initiations-Ritual bezeichnen – aber auf diese Bedeutung komme ich später zurück.

Frauen sprachen sich alle Stärken der Welt zu, trauten sich alles zu, waren neugierig und bereit, (fast) alles zu lernen. Das galt auch für die “eigene Musik”:
So konnten wir – M.S. und ich – ziemlich unbefangen für das erste Frauenfest über Nacht eine 5-Frauen-Band zusammentrommeln. Alle fünf hatten nur ein paar Vorerfahrungen in der Amateur-Musik-Szene(6) , besaßen keine Musik-Anlage, keine verstärkten Instrumente – bekamen aber solidarische Hilfe von Männerbands: Ton-Steine-Scherben stellten das Schlagzeug, Udo Arndt und Os Mundi die PA – Anlage, Verstärker, Mischpult – und Instrumente.
In einem SFB-Feature von Cristina Perincioli erinnern sich die Flying Lesbians 1976:

“…Eine Anlage, die aussah, als ob Chicago spielt! Eine Riesenanlage, keine Ahnung von Technik, kaum Ahnung von Musik und Gesang, noch ein paar selbstgefertigte Texte in der Tasche…. Einen Tag vorher konnten wir nochmal proben, und am nächsten Tag ging das Fest los. Und das war ganz toll. Aber es war eben auch deswegen so toll, weil die Frauen so toll waren, die auf dem Fest waren. Die wußten genau, wir sind da das erste Mal, … haben getanzt wie die Irren auf alles was irgendwie tanzbar war!… Am Mischpult hatten wir auch schon zwei Frauen sitzen…die hatten alle Regler festgeklebt (Lacher). Das hatten die Männer vorher eingestellt, und die waren mit Tesa festgeklebt, die Regler! Aber einer nach dem anderen wurde dann gelöst!!!…(Lacher)”(7)

festbuehne Erste Rockfete im Rock, TU Mensa 1974 Foto: Cristina Perincioli

Auf dem Fest trug eine Welle der Euphorie die Flying Lesbians (FL) über alle schrägen Töne. Dieselbe Welle trug sie in den folgenden drei Jahren durch viele Städte West-Deutschlands und ins Ausland, und die FL spielten in den drei folgenden Jahren auf mehr als 50 Festen und Festivals. Jahrelange “Kellerphasen” – in Westberlin spielten damals etwa 1000 Bands in eierpappengedämmten Übungsräumen in feuchten Kellern und übten oft jahrelang bis zur ersten Auftrittsmöglichkeit -, blieben den Flying Lesbians erspart. (Wir kamen eher zu wenig hinunter zum Üben.)

Aber nicht nur die Vielzahl der Feste, sondern auch ihre Größe ist erstaunlich: Es kamen meist zwischen 1000 – dies auch In kleineren Städten, wie Heidelberg – und 2000 Frauen zusammen.

2.Rockfete

Im Sommer 1974 spielten wir auf dem “Kvindefestival” in Kopenhagen, zu dem sich 30.000 TeilnehmerInnen – Frauen, Männer, Kinder – einfanden. Die Däninnen zeigten sich dort als Avantgarde des pragmatischen, handlungsorientierten europäischen Feminismus und bewiesen mit dem Großereignis, welche beeindruckende Öffentlichkeitswirkung sie bereits erzielen konnten.

festbuehne
Kvindefestival (Frauenfestival) Kopenhagen 1974.
Foto: Cristina Perincioli

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Die Flying Lesbians als „Stimme der Bewegung“

Die Flying Lesbians funktionierten nach denselben Prinzipien wie andere Frauengruppen auch, sie wollten ein Kollektiv sein, egalitär, alle sollten alles machen; alle sollten die Musiktechnik beherrschen, die Anlagen schleppen, die Kabel löten, die LKW´s mit den Anlagen selber durch die Lande fahren, vor dem Fest selber aufbauen, hinterher – meist weit nach Mitternacht – abbauen, und am nächsten Morgen weiterchauffieren zum nächsten Gig. Das gehörte zur Befreiung von männlichen Hilfestellungen. Und: Alle sollten improvisieren, texten und komponieren dürfen, und folgerichtig “verschmolzen” alle auch urheberinnenrechtlich in dem Pseudonym “Emily Pankhurst”.
(Kreativzentrum war unter anderem die Badewanne in der Frauenwohngemeinschaft Cosimaplatz.) Immerhin haben fünf Frauen Texte eingebracht, und vier auch solo gesungen.

LP cover Doppelaxt
Lesbians-LP Cover Doppelaxt-Motiv

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Hexenmusik oder „Bastardmusik“?

In der US-amerikanischen feministischen Zeitschrift “Off our Backs” schreibt Miriam Frank 1977:

“Flying Lesbians ist wunderbare deutsche Frauenmusik… Die Flying Lesbians sind die deutsche Frauenbewegung, ausgedrückt in Musik. Jeder Song reflektiert eine wichtige Idee, Kritik oder Problem, das gerade in den Frauenzentren oder Projektkollektiven abgehandelt wird, oder über das in den Kneipen gesprochen wird… “(8)

Wir spielten viel auf Rock´n Roll Basis, nach dem Bluesschema, Balladen oder Boogie. Frei nach Meri Franco Lao, der italienischen Musiktheoretikerin, würde man unsere Musik vielleicht als “Bastardmusik” und Travestie bezeichnen: Männliche Musik verkleidet im neuen weiblichen Gewand. Wir suchten nicht nach weiblichen Wurzeln in der Rockmusik, fanden Moll nicht weiblich und Dur nicht männlich, – wir wollten elektrisch verstärkte Musik machen, tanzbare Rockmusik auf Festen und keine “Hexenmusik” mit Schellenklappern. Mich als Keyboarderin z.B. interessierten die neu aufkommenden elektronischen Instrumente, deren neue Sounds und Möglichkeiten brennend, und so setzte ich auf der LP von 1975 auch schon einen analogen Synthesizer ein.

“Die eigene Musik” war sicher nicht die Stärke unserer Amateurband, und auch nicht Hauptanliegen. Wir verstanden uns immer selbst – mit leicht ironischem Unterton – als “Stimmungsband”.

Es gab andererseits Kritiken, die auch musikalische Ideen im einzelnen würdigten ; einen wichtigen stilistischen Unterschied findet Miriam Frank in “Off our backs”:

“Die blatantly lesbischen Songs der Flying Lesbians sind gewiß verschieden von der kuscheligen Süßlichkeit lesbischer Musik in den letzten Jahren in den USA. Sie sind erfrischend aggressiv und kontrovers…”(9)

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Der „kleine Unterschied“

Wir waren frei von männlicher Watt-Gigantomanie und errichteten auf der Bühne keine “phallokratischen Powertürme”. Das hatte zugegebenermaßen auch praktische Gründe – wir wollten keine Roadies, sondern schleppten immer selber die Anlage.
Nicht frei waren wir von den heißen Wünschen, auch die berühmten Instrumente mit den magischen Namen zu spielen und haben sie uns so schnell wie möglich erfüllt: die Stratocaster, den Twin Reverb, die Wurlitzer, das Rhodes Piano mit dem Glockenklang… (dem mitten im Fest garantiert eines der Hämmerchen brach, das dann festöffentlich herausoperiert und das E-piano neu gestimmt werden mußte).

Das Eigene: die Texte
In den Texten waren wir freier und “eigener” als in der Musik. Wir texteten meist auf deutsch – damals in der Rockmusik durchaus noch nicht üblich. Die Themen kamen aus unserer eigenen und der gesamten aktuellen, frauenbewegten Erfahrungswelt. Der Song “Battered Wife”

“…entstand dadurch, daß Cristina (Perincioli) nach England gefahren ist und diese Häuser der geschlagenen Ehefrauen, der Battered Wives gesehen hat. Da fing das erst an, in unserem Bewußtsein ein Begriff zu werden, was das heißt, >mißhandelte Ehefrauen<. Da haben wir uns Zeitungen geschnappt und geguckt und gesehen, da steht: Ehemann übergießt seine Frau mit Benzin und steckt sie in Brand, Ehemann überrollt seine Frau mit dem Auto – Frauen, die versuchen sich zu trennen, sich zu scheiden… und normalerweise sieht sich die Polizei außerstande, die Frauen da rauszuholen… Tierschutzvereine gibt’s, aber für geschundene Egefrauen gibt’s nichts… Fazit; wie so oft, – und in England eben auch -, es passiert nichts, wenn die Frauen nicht anfangen, die Sache in die Hand zu nehmen…” (C.R. in einem Feature von C.Perincioli, SFB 1976)

M.S. wirkte gerade an der “Erfindung” der deutschen Mädchen- und der Prostituiertenarbeit mit, und ihre Frauen-WG am Berliner Cosimaplatz bot immer wieder von Heimunterbringung bedrohten Kindern Zuflucht: So kam “Trebermädchen” zustande. Beim Song “Arbeitslos” haben wir fast wortwörtlich das Titelblatt der BZ (Berliner Zeitung) abgesungen: “Ich bin seit heute arbeitslos. Zwei Berliner Firmen sind über Nacht zusammengebrochen: Eine Schokoladenfabrik und eine Baufirma…”

 

arbeitslos
„Ich bin seit heute arbeitslos“ BZ-Titelblatt (Berliner Zeitung vom 1.12.1973)

Beliebter Kunstgriff war – wie schon bei der ersten Frauenplatte “Von heute an gibts mein Programm” – die Verfremdung vorhandener, bekannter Texte, zum Beispiel unser freundlich ironischer Song über “die Bisexualität”: “Ab und zu hin und wieder muß ein Abend mit Frauen, ein Abend mit Frauen einfach sein…”
Dazu ein Brief von G. T. aus Heidelberg, 15.8.77:

“Eure Platte höre ich sehr gern, um so erboster war ich, als ich neulich das Lied von der >Bisexualität< etwas verändert auf einer anderen Platte wiederfand. Dort heißt es:
Ab und zu – hin und wieder – und ganz allgemein – muß ein Abend mit Willy, ein Abend mit Willy einfach sein. Die Melodie ist ganz wenig verändert. Ich schreibe Euch das, weil es mich einfach ärgert, wenn ein Abend mit Frauen einfach zu einem Abend mit Willy wird…”

Natürlich war der Abend mit Willy das Original, und wir hatten seinen Erfinder ganz korrekt um Adaptions-Erlaubnis gefragt und zahlten GEMA (Urhebergebühren) für die “Verfremdung”.

Das “Freie und Eigene” bestimmte auch die Plattenproduktion, – eine echte “Indie”-Produktion, ermöglicht durch Darlehen vieler einzelner wagemutiger und solidarischer Frauen und des “Frauenkalender-Kollektivs”, und finanziell durchaus eine Erfolgsgeschichte: 15.000 verkaufte LP´s waren für damals und für eine Indie-Produktion außerordentlich und selbst im Vergleich zu kommerziellen Produktionen eine stolze Zahl.

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Das Frauenfest als Initiationsritual? Der Blick der Ethnologin

gewalttribunal
Plakat zum Tribunal und Fest „Gewalt gegen Frauen“, Berlin 1976

Eine Ethnologin würde das Frauenfest der siebziger Jahre als ein Übergangsritual beschreiben, – genauer gesagt: als wichtiges Initiationsritual.
Was ist ein Initiationsritual? Rituale schaffen und bestätigen Identität, und haben gruppenbindenden und gruppenbestätigenden Charakter; Initiationsrituale begleiten und gestalten die “Krise” beim Übergang in eine neue Identität, in eine neue Gruppe, einen neuen Status.
Die Wandlung, die man in einem Initiationsritual erfährt, gliedert sich gemäß der klassischen Theorie von Arnold VanGennep in drei Phasen:
1. Loslösung – 2. Schwellenzustand – 3. Inkorporation/ Eingliederung.(10)
Diese drei Phasen entdeckt die Ethnologin auch im Frauenfest.

1. Phase Loslösung
Die Etikettierung “Nur für Frauen!” hatte eine im positiven Sinn provozierende Wirkung. Frauen lösten sich aus der Männer- und “gemischten” Welt und betraten einen Raum nur für Frauen. Es kamen viele, die ein Frauenzentrum nicht ohne weiteres betreten hätten. Heterosexuelle Frauen hatten einen Grund – oder einen Vorwand -, ohne (ihre) Männer auf eine Party zu gehen.
Die Einladung des Frauenzentrums spielte auf diese Freiheit an:
“Wir wissen auch aus den gemachten Erfahrungen, daß unser Verhalten freier ist, wenn Männer nicht dabei sind. Darum, Frauen, kommt an diesem Abend allein. (Wenn ER euch wirklich mag, dann hat er Verständnis dafür.)”

2. Phase Schwellenzustand
Im engeren Sinne markierte das Betreten des Festsaales den Schwellenzustand, der Weg über die Schwelle, die 50 oder 100 Meter von der Kasse bis in den Saal.
Im übertragenen Sinn konnte dieser Zustand natürlich auch anhalten, wenn ambivalente Gefühle auftraten. Bei Neulingen mochte sich zuerst eine gewisse Orientierungslosigkeit einstellen, Irritationen, und Aufregung: Heteras fanden sich mit Lesben konfrontiert, viele Möglichkeiten lagen in der Luft, aber auch leise Ängste, aufgeregte Neugier.

3. Phase Inkorporation, Eingliederung
Im Verlauf des Festes fand die Aufnahme, die Eingliederung in das große “Frauen gemeinsam sind stark!” statt, in den Einklang der Feiernden, in die “communitas”, in die Frauenbewegung. Die Konflikte, die es in den Gruppen gab, blieben an diesen Abenden vor der Saaltür.
Neue Frauen wurden integriert; die “Programmischung” trug bei, daß jede etwas für sich fand. Der SPIEGEL schrieb:

“…die Abwesenheit von Spruchbändern und Agitation, von >Linie<, hatte auch ihr Gutes. So kam man zu Wort und konnte das eigene Wort verstehen. Überall gab es Quatschgruppen, in denen Frauen mit seltener Offenheit über Sexualität und die Folgen sprachen.
Verschüchterte gingen aus sich heraus, Betrunkene, Aggressive gab es kaum… Da wurde zusammen- und auseinandergetanzt, da gab es Klamottentausch und Informationsstände und einen enormen Apparat für die Musikverstärkung. Eine improvisierte Frauen-Rockband aus Berlin zog ein paar respektabel harte Nummern ab…. In der Bar nebenan lief immer wieder der im Fernsehen abgesetzte >Panorama<-Beitrag zum Paragrafen 218. Wegen dieses Films, der einen Schwangerschaftsabbruch nach der schonenden >Absaugmethode< zeigt …hatten sich so manche überhaupt auf das Frauenfest getraut….”(11)

Für manch eine ereignete sich auf diesem und den folgenden Festen auch ein Übergang in lesbische, bisexuelle Erfahrungen.

“Die Barrieren waren weg, die es vorher bei Diskussionen im Frauenzentrum gegeben hatte!” (Roswitha Burgard, Mitveranstalterin 1974)
“Das war der Tango zwischen Heteras und Lesben!” – und es war “…Rhythmus und Krach! Raus aus dem Schweigen!” (M.S., FL)

Es war auch körperlich “der Tanz der freien Verhältnisse”:

“Es entstand Adrenalin hoch drei, eine explosive Mischung… Es war eine aufgeheizte, sehr erotische Atmosphäre! Es knisterte… Zu fortgeschrittener Stunde zogen sich viele Frauen aus, tanzten halbnackt. Sich Ausziehen war möglich! Ein Ausdruck von Körper und Freiheit, weil man nicht angegafft wurde, weil man frei von Voyeuren war.” (Monika Mengel, FL)

Tu von oben auf buehne
1.Rockfete im Rock, Berlin TU Mensa 1974. Foto: Cristina Perincioli

 

Entgrenzung
Nach der Kulturanthropologin Ina-Maria Greverus sind “echte Rituale” durch Entgrenzungsvorgänge gekennzeichnet.(12)
Tatsächlich lösten sich auf den Frauenfesten die Grenzen zwischen Zuschauerinnen und Darstellerinnen, Publikum und Bühne zeitweise auf; zumal wenn – allerdings nur bei den ersten Festen, später machten wir uns doch Sorgen um die Instrumente – zu fortgeschrittenerer Stunde Frauen in Scharen auf die Bühne strömten, um mitzutrommeln, um eigene Songs zu singen. Jede durfte ans Mikro und an die Tasten. Im Saal wurde auf allen denkbaren Gegenständen mitgetrommelt.
Dazu erinnert sich M.S.: “Die Grenzen zwischen dem Publikum und uns waren aufgehoben. Das war für uns die Bestätigung, daß wir von der Menge aufgenommen waren.” Auf einem späteren Fest und mit einer anderen Band erlebte sie, wie die Festteilnehmerinnen auf Flaschen und Gläser wie in Trance eintrommelten, bis alles zerborsten war und sie am Ende glücklich in einem Saal saßen, der völlig mit Scherben übersät war.

Die Größe der Feste, die Masse, die Tatsache als solche, daß ein- oder zweitausend Frauen zusammenkamen, trug mit zu ihrer identitätsbestätigenden Funktion bei. Die Beteiligten schauten in diesen Spiegel und sahen: “Wir sind Frauen, wir sind viele…”

Weitere Ritualbausteine
Auch das “Zubehör” eines klassischen Übergangsrituals läßt sich ausmachen:

  • die sogenannten „Paraphernalia“: Transparente, Wandzeitungen, Büchertische mit Raubdrucken und selbstverlegten Eigenproduktionen;
  • gemeinsame Symbole und Gesten: Fahnen und Plakate mit Frauenfäuste, gesprengte Frauenzeichen, Lesbenzeichen, Doppelaxt usw.; die Symbole und Gesten werden getanzt, und auch auf Fahnen, Plakaten, Graffitis, Schmuck, Kuchenform – in allen denkbaren Materialien sicht- und hörbar gemacht;
  • Rauschmittel: Bier, Wein und andere Rauschmittel;
  • Rhythmen, Tanz und Texte: Die Flying Lesbians fungierten als Rock-Schamaninnen und Initiations-Patinnen, die die „Heiligen Texte“ – die Parolen der Frauenbewegung – als Vorsängerinnen rezitierten; die Tanzenden entwickelten freie Formen und Bewegungsmuster, einzeln, in Paaren, in sich immer neu zusammensetzenden Gruppen, im Kreis, in spontaner Kettenbildung durch den ganzen Saal.

Die Fremdheit nach dem Fest: Zurück in der Männerwelt
Sophie von Behr beschreibt in ihrem SPIEGEL-Artikel “Das große Weiche dominierte – über das erste öffentliche Frauenfest in West-Berlin” die Gefühle am Ende des Festes, die Rückkehr in eine Welt, die sie als “normal empfindende Frau” nun plötzlich als Männerwelt wahrnimmt:

“Auf Dauer laufen Feste ohne Männer sicher nicht. Und doch: Wenn man als normal empfindende Frau morgens um drei durch ausgestorbene Großstadtstraßen nach Hause fährt, ist die Welt noch in Ordnung. Sie ist selbst zu dieser Nachtzeit auf penetrante Weise von Männern bestimmt und gemacht und daher plötzlich fremd.”(13)

Für Männer: Provokation
Männer tauchten auf Frauenfesten in verschiedenen “Gestalten” auf, in der Realität und im Spiegel der Presse. Hausmeister fanden immer einen Grund für einen Inspektionsgang und tauchten wie ein Running Gag vorhersagbar auf; daneben gab es die Feuerwehrleute, den Koch, den Heidelberger Schloßverwalter…
Der von radikalen Feministinnen “angemachte Mann” wurde zum Typus, und kaum ein Pressebericht mochte auf ihn verzichten.(14)
Die Mischung aus gleichzeitig politisch agierender und sich dann noch miteinander amüsierender feministischer “Geheimbündelei” zog große Aufmerksamkeit auf sich: pikierte, indignierte, klischierte und manchmal durchaus scharfsichtige Beobachtungen und Kommentare. Die Schlagzeilen lauteten alle ähnlich:

“Emanzipationsfete – ohne Männer. Heidelbergs Frauengruppe als ‚geschlossene Gesellschaft‘ im Königssaal”. (Rhein-Neckarzeitung, 21.10.76)

„1700 Emanzipierte feiern unter sich – aber ein EXPRESS Reporter war heimlich dabei: Bei Frauenfest war auch der ’stramme Max‘ tabu.“

 

 

Kölner Stadtexpress 4.10.76

Selbst in den Presseberichten über das “Erste internationale Tribunal über Verbrechen gegen Frauen” 1976 in Brüssel spiegelt sich, wie provoziert sich Journalisten – stellvertretend für das männliche Geschlecht – fühlten. Die Inhalte des Tribunals, die Verbrechen gegen Frauen in aller Welt, kamen in den Berichten erst an zweiter Stelle. Von den Kieler Nachrichten bis zum süddeutschen Teckboten stellten die meisten den Tribunal-Ausschluß der Männer und den “männerlosen Frauenball” in die Titelzeilen: “Das Feindbild ist klar: Männer – abends ein Ball”.

 

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Für Frauen: Das Fest als „Coming-Out-Party“

Auf den Frauenfesten wurde die Bedeutung des Separatismus, der “männerfreien Räume” für den “Tanz der freien Verhältnisse” sinnlich erfahrbar: ohne Gaffer tanzen, sich halbnackt ausziehen, sich betrinken ohne Gefahr, Erotik darstellen oder auch ausleben und erfahren, wie gut man sich unter Frauen amüsieren kann.

Das Frauenfest war in mehrfachem Sinn eine “Coming-Out-Party”. Der Begriff kommt ja aus den USA, steht dort für DebütantInnen, die auf einer “Coming-Out-Party” ins erwachsene gesellige Leben und “in die Gesellschaft eingeführt werden”.
Auf den Frauenfesten bildete sich sozusagen die Frauengesellschaft, die Frauenkultur. Hier begaben sich Frauen aus sehr verschiedenen Szenen zum ersten Mal in Frauen(bewegungs)kreise, Frauen aus sozialistischen Gruppen, Studentinnen, Angestellte, Künstlerinnen, auch “Parteifrauen” und Gewerkschafterinnen, und zeigten sich frauenöffentlich.
Heteras trafen auf Lesben, und umgekehrt. Lesben kamen heraus aus dem Verstecken im Sub, in der Provinz, aus der Isolierung und der Vorstellung, daß sie die einzigen weit und breit seien. “Sie konnten sich mit Selbstbewußtsein auf dem Parkett zeigen!” (M. Mengel)

Zum Befreienden, zum “Coming Out” gehörte auch unser Name – stolze Selbstbezichtigung statt anklagender Fremdbeschuldigung. Wir wollten den Begriff “Lesben” sichtbar und hörbar machen mit Vergnügen und Lust und mit spielerischem Verweis auf den Zirkus. Nebenbei war der Name auch eine bewußte Zumutung an Fest-Veranstalterinnen. Einige mußten sich überwinden, ihn gut lesbar aufs Plakat zu setzen.
Für die LP 1975 hatten wir überlegt, ob wir zum Selbstschutz Psyeudonyme verwenden sollten, entschieden aber, uns mit vollem Namen zu Outen.

“Die Flying Lesbians waren eine “Handreichung” an die Frauen, ein role model. Wir wollten ein Rollenmodell sein, mit der Methode der “Selbstbezichtigung”, einem klassischen Verfahren der Gegenkulturen, gegen die verlogene Adenauerzeit. “Ich habe abgetrieben.” Wir gaben Unterstützung beim Outen – ein pädagogischer Akt. Die Flying Lesbians fungierten als “Verstärker”. Wir waren ein verbindendes Element. Wir sagten bei den Festen z.B. unsere Namen, stellten uns als Lesben vor, und unsere Schlagzeugerin sagte dann auch immer, daß sie nicht lesbisch ist. Das war wichtig! Wir waren radikal in unseren Darstellungen, aber nicht in irgendeiner Abgrenzung von Heterofrauen!” (M.S.)


Cover der Flying Lesbians LP, Rückseite: Porträts und Namen

 

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Einige Jahre später (kein Schluß)

Nach drei Jahren ebbte die Woge, die uns getragen hatte, ab. Die Musik veränderte sich:

“…In der Musik suchte man Ausgefeilteres, Diffizileres, und Lysistrara fing an Kunstmusik zu machen, komplizierter zu werden, feinere Instrumente dazuzunehmen, Geige, Flöte,…ausgefeiltere Arrangements. Und dann war erstmal Schluß; dann kam aus der Frauenbewegung erst einmal keine Musik mehr und in der Bewegung war auch Ruhe, weil alle an bestimmten Sachen gearbeitet haben, und bei mir persönlich, was Texte betrifft, – ich konnte nicht mehr die alte Euphorie haben…”(15)

Wir hörten nach drei Jahren auf, als in der Frauenbewegung und bei uns Alltag einkehrte. Dies scheint im Nachhinein ein ähnlicher Vorgang wie bei den Liverbirds. “Musik machte in erster Linie Spaß. Die vier Liverbirds hatten nicht den Ehrgeiz, sich zu perfektionieren; als das kollektive Erlebnis ausblieb, hörten sie auf.”(16)

 


Collage: Zeitungsüberschriften vom 5.3.76 zum Internationalen Gewalttribunal in Brüssel

Wer würde behaupten, daß Instrumentalistinnen jetzt, 25 Jahre später, sich die Hälfte der aktuellen Rock- und Popmusik, der U-Musik erobert hätten? Elektronik, Ethno, Weltmusik, House, Rap, Techno – betrachtet man die Berühmten und Arrivierten, entdeckt man noch immer wenig Frauen, erzeugen sie noch lange nicht die Hälfte der Klangwelten. Was ist eine Marusha gegen die vielen männlichen DJ-Schamanen?
Dennoch: In jeder der folgenden Richtungen und Stile machten auch Musikerinnen von sich hören, von Punk bis NDW (Neue Deutsche Welle). Im Jahre 1988 z.B. gab es eine Welle von Sängerinnen und Songschreiberinnen, und sie wurden von Musikindustrie und Publikum “mit offenen Armen willkommen geheißen”.(17)
Zu Anfang seines Artikels “Wer rettet die Welt? Die Rückkehr der Songschreiberin” schreibt Johannes Paetzold im Berliner “zitty”:

“Wofür die Frauenbewegung seit Jahrzehnten kämpft, die Anerkennung in einer von Männern beherrschten Welt, das scheint seit Anfang dieses Jahres in der Musikbranche ganz einfach: Ein Heer von Songschreiberinnen drängt auf die Musikszene und spaziert sogar munter die Hitparaden hinauf…”

Tanita Tikaram – damals 18 Jahre – erklärte das so:

“Seit den Feministinnen und der Frauenbewegung können Frauen mehr Selbstvertrauen in ihre künstlerischen Fähigkeiten haben.”(18)

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Anmerkungen

(1) Die Erinnerungen habe ich aufgefrischt durch Lektüre von Briefen, Zuschriften an die Flying Lesbians, Verträgen zu den Gigs, Zeitungsberichte über die Feste, Plattenrezensionen und Gespräche mit M.S. und Monika Mengel von den Flying Lesbians, mit Roswitha Burgard, – wie auch M.S. einer Mitveranstalterin des ersten Berliner Frauenrockfestes – , und Cristina Perincioli, die zu unserer Gründung wichtige Impulse gab und später Rundfunksendungen mit uns machte. Die “logistischen Kenntnisse” zum ersten Frauenfest brachte M.S. ein.

(2)Es war schon vor 1974 “Frauenmusik” zu hören, auch schon die erste LP “Von heute an gibt’s mein Programm”; aber im Prinzip handelte es sich um eine Songkultur, um “Lieder zur Klampfe”. Es hatte auch schon Frauenfeste gegeben, als Abschluß von Frauen-Kongressen, und auch schon Parties in den neugegründeten Frauenzentren. Frauen tanzten zu Musik von Platten von all-male-Bands.

(3) Der STERN titelte am 12.6.1974: “Die Damen bleiben liegen” – in den Regalen der Plattengeschäfte. Selber schuld, meinte der STERN, denn:“…80 Prozent aller Schallplatten in Deutschland werden von Frauen gekauft; 80 Prozent aller verkauften Platten und Kassetten sind von Männern besungen.”

(4) Rokohl, Brigitte, Rockfrauen, Reinbek 1979, S. 22

(5) Vgl. ausführlicher dazu Rentmeister, Cillie: Frauenwelten: fern, vergangen, fremd? Die Matriarchatsdebatte in der Neuen Frauenbewegung, in: Ina-Maria Greverus (Hgin): Kulturkontakt – Kulturkonflikt, Frankfurt/M. 1988

(6) als Sängerin Monika Mengel, mit Auftritts-Erfahrungen als Blues-Sängerin in Bands; als Drummerin und Sängerin Operngesangsstudentin Swetlana, als Tastenfrau und Sängerin Cillie Rentmeister, als Bassistin M.S. mit Vorerfahrungen in Männerbands, und als Gitarristin Christel Wachowski.
Ich probte bereits seit etlichen Monaten und noch ohne großes Konzept – angeregt von Cristina Perincioli, die auch mit einem Radioaufruf die Suche unterstützte – mit einigen Frauen in den Räumen unserer Frauenkommune am Paul-Lincke-Ufer, zur Freude der Nachbarn auch bereits mit Schlagzeugerin, aber sonst unverstärkten Instrumenten.

(7) Erzählung der Flying Lesbians, O-Ton aus der Sendung “Frauenrock: Die Flying Lesbians.” von Cristina Perincioli, SFB 18.7.1976

(8) Off our backs, Sept. 1977, P. 14

(9) ebd. P. 14

(10) VanGennep, Arnold, Übergangsriten, Frankfurt/Main, New York 1986, Kap.1-3

(11) Behr, Sophie von, “Das große Weiche dominierte” – SPIEGEL Mai 1974, S.54. Der Panorama-Beitrag war von Alice Schwarzer.

(12) Greverus, Ina-Maria: Kultur und Alltagswelt, Frankfurt/M. 1978

(13) von Behr, a.a.O., S. 54

(14) Die “angemachte Festbesucherin” wurde seltener erwähnt: Sophie von Behr beschreibt im SPIEGEL Männerreaktionen zur ersten “Frauenrockfete im Rock” im Mai 1974:
“…Zwanzig Männer standen am Hauseingang herum, neugierig bis feindselig (“Ihr seid faschistisch”), und drängten auf Einlaß… Doch bis auf den älteren Hausmeister, der einmal durch den Saal ging, blieb das Fest männerfrei bis zum Ende.”

(15) C.R. in der Hörfunk-Sendung von Cristina Perincioli: “Frauenmusik – Musik der Frauenbewegung?”, SFB 1981

(16) Rokohl, a.a.O., S.34/35

(17) Paetzold, Johannes, in: stadtmagazin zitty, Heft 17/1988, S.39

(18) ebda., S.40

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Sounds of Women’s Movement


Cillie Rentmeister – The Finland Lectures – held at Helsinki, Sibelius-Akatemia, March 5, 1985 and at Jyväskylä University, musiikin laitos / Music Institute, March 14, 1985

 

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Cillie in Helsinki
Headline: “Will Cillie bring feminist Rock to Finland?” Iltalehti, Helsinki, March 6, 1985

Note: When reading this article please keep in mind that it is the original text from 1985 – it reflects the subject from a perspective just ten years after it had all begun…

 

It’s Not about Rock Ladies…. Introduction

Maybe, you have heard these voices and sounds – of Nina Hagen, Nena, Inga Rumpf?

This is not going to be a lecture on actual German Rock ladies and female pop stars. This is also not going to be a scholarly discourse.
Instead, I wish to invite you on a journey through the last ten years of all-women Rock bands in Germany, and to listen to the sounds (which express and reflect the development, the rhythms, the emotions and the vibrations) of the women’s movement.

In 1974, I was cofounder of the first women’s Rock band (the FLYING LESBIANS), in Germany, in West Berlin – and I am still making music today. Thus, I will be looking back from my very personal point of view. You might well consider our journey as an ethnological trip to a strange world: with strange customs, strange rituals, strange words – to Amazonians and women’s counter cultures; and I am your native informant.

However, you will soon notice that many of the sounds of women’s music do not sound strange to your ears at all. Even the most separatist women’s counter-cultures do not exist on totally isolated islands; the shores of these islands and the ears of the women are filled daily with the sounds and noises of real oceans of male, manmade Rock music, with all its waves and mainstreams – with “their masters’ voices.”

When women choose to play Rock music (in its widest sense), they have chosen a form of music that is defined and performed almost entirely by men. Within the women’s music movement, this fact led to the objection that women should not play Rock music at all, because one cannot take a macho music form like Rock and give it a new feminist function – or to use the Biblical metaphor, “Nor do people put new wine into old wineskins”.
Meri Franco Lao criticized the procedure of adaptation as “Travestie.” She said: “As a women, you must make totally different music; you must not use any instrument from the patriarchal orchestras or built by a patriarch; you must not use their musical forms. You must not perform their rituals. You shall play witches music and reconstruct and recreate their musical forms.”

Thus, one of our main questions is: Have women in Rock music achieved a specific identity? Have they developed special qualities – which we could call parts of a real women’s counter-culture? Could they express the emotions, rhythms and feelings of the women’s movement?
Please keep in mind that the following music examples are taken from records, and that the sterile studio atmosphere sometimes cut off the very special live qualities of these bands. It’s never only the sound that makes the music and its resonance. Please imagine that it was played at women’s festivals, large-scale women’s parties and concerts, with their special atmosphere, rituals, happenings and activist contexts; and with a live eroticism, which was sometimes in the air. We cannot revive all this here. Besides, I can only introduce you to those few, happy women’s bands who were able to produce records at all.

We will look at the development of the last ten years in three chapters, because I perceive three phases and three generations:
1. In the 1st chapter, I will introduce you to the first generation of all-women Rock bands; the “euphoric phase,” inseparably connected to the euphoric state of the West German Women’s Movement.

2. The 2nd chapter deals with the years following 1980, the era of Punk and New Wave, which gave an impetus and encouragement to the rise of new scenes and groups of women, who wanted to build up women’s bands. This is also an era of much more variety, but also of commercialization.

3. The 3rd chapter deals with the current situation – a phase of orientation, contrast, hope and despair, boredom (ennui, noia) and helplessness, of the end of any avantgarde; a time of tensions and suspense between the poles of African drums and music made on computers… A time of waiting and learning. Learning what?

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1. First Amazonian Generation, “Euphoric Phase”

It all started overnight with the first German women’s Rock band, the FLYING LESBIANS, in the year 1974 in Berlin. The first large-scale women’s party was staged to celebrate, following the first 5-8 years of the women’s movement there.

A tv documentary about an abortion that caused a scandal (it was cut from the station’s scheduled programming) was to be shown at this party; a huge university hall was rented by a group of women and a live band was required. A telephone chain was initiated to put a band together. In the end, there were sixof us. One woman had already played bass in a male band, another had learned some drumbeats from a friend, and for half a year I had been trying in vain to form a women’s band, but was frustrated by many technical and personal obstacles.

Our future band met for the first time the day before this women’s party started. Male bands lent us instruments and amplifiers and had them installed in the hall.

Some of us put our own original songs and texts out on the table. It was not too difficult to agree that we would play mainly Blues and Rock patterns, and we would just spread our texts over these patterns. It worked. We were welcomed by a wave of enthusiasm from the two thousand women who had come to the party; and this same wave carried us through both some off-beat music (“schräge Töne”) and some cliffs for the next three years that we existed as a band.

Kleber für 1. Rockfete im Rock

This was the “fresh” state of the women’s movement. Thus, our “HALF OF THE HEAVEN” and later “FLYING LESBIANS” band started as a live appearance and party band, and maintained this character for the three years of its existence.

Of course, our band was born in an atmosphere and a time that were very favorable and ripe. Before then, in the 1960s, Rock music, “oh baby baby,” was definitely a man’s world. Still, there had already been a few so-called “all-girl bands.” Two of them were especially present in our record collection – as WOMEN in Rock, they were a type of role model for us. We thought they were exciting!
[Music from: Fanny and Liverbirds]

Kleber für 1. Rockfete im RockLiverbirds

Fanny

 

Did you recognize them?
The “Liverbirds” and “Fanny.” In 1963, John Lennon said to one of the Liverbirds: “An all girl band? Go on and try – but it will never work!” But it did work! Ten years later, the atmosphere was more favorable for us.

The student’s and the women’s movement had prepared the field. The “non-dogmatic” and anarchistic Berlin scene generated its own cult band, which gave us drive and inspiration – and supported us technically: TON- STEINE – SCHERBEN (TSS, in English: “Sound – Stone – Pieces”).

TSS were the first very successful, non-commercial Rock band, who connected a new, emancipatory and revolutionary group lifestyle to their music. They started to produce and distribute their own records without any media giant to back them – were “indies” before the era of Punk. AND they sang their messages of and for the non-dogmatic movement (“Spontis”) in German, – not in English – which was also quite revolutionary. Many young people sang their songs by heart.
They created political slogans for the movement: “No power for nobody!” or “Destroy what destroys you!”

Ton Steine Scherben Cover

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1.2 FLYING LESBIANS – Mission, Vision, Values

Thus, in 1974, with a little (respectively, quite a lot of) help from male friends such as TSS, we were initiated into the mysteries of electro-technics, including amplifiers, small mixers, PA’s and boxes, and instruments.
Our mission, vision and values were mostly taken from the women’s movement to which we belonged.

What we didn’t want:
. We rejected the “Gigantomania” of the Rock business of the early 1970s. The colossal, gigantic power towers of amplifiers and boxes. For us, concerts with a volume up to 120 dB seemed like “raping” the public.

. We rejected those macho gestures of men, who used their instruments like sexual organs and who performed a concert like a violent sexual act and as a submission ritual: “Under my thumb…” sang the Rolling Stones.

. We disliked the egotrippers, sex maniacs with their groupie system, their fantasies of almightiness, and how they let the puppets dance. We disliked the enfant terrible attitude, and how they let their roadies work – real slave work!

. We were fed up by super solists like McLaughlin (even while admiring the artistic perfection of Santana), who used their fans and their public for their showmanship. In this respect, we defined the Rock business as “social deficitary.”
This was basically summed up our opinion of men in the Rock business.
(Were the Rock ladies better? They usually were featured as “front-line sex objects.” Even if Tina Turner was rightly called “the first sex-subject” in Rock music, she also once said: “If my ass is gonna make them pay attention to my voice, you got it.”)

As for positive action, we wanted:
. to be amateurs instead of professionals. We wanted less distance to the public. We wanted the other women to say: “Hey, we could do that, too!” To be self-critical: Of course, none of us could ever have become John McLaughlin. But we should also keep in mind that girls seldom start with electric guitars, or with drums as early as boys – whereas boys often begin at age eight, ten or thirteen. The situation remains the same today.

. We wanted to play “our OWN music and songs.” We never played “good enough,” to cover the songs of other famous groups (other, male groups often begin by covering the music of their idols, but sometimes they do it for years, with the risk of not coming up from their cellars, because they fear that they are not yet good enough…)
Even if the ideas of “our own music” turned out to be partly an illusion, we wanted to do our own thing, and we did not want to be measured with respect to famous male groups. This was also an illusion, because we had their technical and professional standards in our own minds and ears.

Flying Lesbians Cover

It was though the lyrics that we came closer to our aims. We identified with the “big issues” of the lesbian’s and women’s movement’s, expressing them in our lyrics, turning the movement’s slogans into songs – and mirroring it’s euphoric, rebellious, Amazonian and optimistic mood in those early years.
Most of our songs had melodies, so that women could sing them along with us. Some were quiet, some with a “full orchestra.” We were singing about battered wives, love (between women), about disappointments caused by women in power, on bisexuality which was “in” at that time, on girl junkies and female unemployment, and about matriarchy – “we are one million years old, but what did we learn?”… We sang songs of anger, and songs of love.

In 1977, Miriam Frank wrote:
“Flying Lesbians is wonderful German, women-made music… The Flying Lesbians are the German women’s movement expressed in music. Each song reflects an important idea, criticism or problem that is being worked out now in the project collectives and women’s centers of West Germany, or that is being argued about in women’s Kneipes (bars) and around communal tables. The record is alive…not only because it is popularly distributed and widely played, but also because it succesfully synthesizes ideas and action through music – Rock music…
The blatantly lesbians songs by the Flying Lesbians are surely different from the cozy sweetness of the last few years in American Lesbian music. They’re refreshingly aggressive and controversial. The first song, “I’m a Lesbian, How About You” is a tight boogy woogy, very danceable, with especially nice piano and guitar work. It’s a lot of fun, and then come the two hard ones…

The Flying Lesbians really take off with “Frauen kommt her.” This song, “Women, come on, let’s get it together, united we are strong” (transl.) has been sung in the women’s movement for years now, in small groups, at demonstrations, in ever-widening circles, and the Rock setting gives the song a special richness, openness and happiness. It’s the showpiece of the record…”
(Miriam Frank, “Off our Backs” magazine, Sept. 1977, p. 15.)

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1.3 Women’s Parties, Women’s Festivals – Initiatory Ritual and “Gesamtkunstwerk” (total art work)

We shared the ideas of basic democracy in the women’s movement, of spontaneous and egalitarian collectivity. In our texts, we often used the “we”: WE women get together, because only together WE are strong! That became the following: “Frauen kommt her, wir tun uns zusammen…”

Instead of musical perfection, we defined our “quality” as a band on a number of factors. For us, music was primarily a social event, an experience of solidarity, sisterhood and love among women, who had been separated from one another for so many centuries. We were nearly exclusively playing at women’s parties. Often these parties highlighted events and actions – demonstrations, conventions, summer universities. Or some money was simply needed for a women’s center or a project – these festivals normally generated remarkable profits, because the organizers and groups worked as volunteers.
The parties themselves combined politics, music, show and emotion. They were a complex happening: Movies concerning women’s issues were shown; women’s health groups demonstrated new methods of gynaecological “self-examinations;” women showed “self-defense” dances and Karate Katas; speeches were held; huge buffets were built up with self-prepared food; the women had their fill of wine, beer and liquor; and women who would never have taken a step into a women’s center entered these parties to throw a cautious first glance at these wild, young “women’s libbers.”
There is still another major point why women parties, often with thousands of women, were such an important “initiation ritual”: They were also the settings for the coming out of lesbians – and we gave a musical voice to this happening.

We very consciously chose our provocative name “Flying Lesbians.” We were not alone – everybody had to take a stand. Would women’s groups, who organized concerts and festivals – would they print this name on the poster? Radio and disc jockeys: Do they have difficulties mentioning our name, playing our music, or giving us interviews?
This open lesbian attitude came out of the feminist political context, where we used provocation and disclosure as a means of gaining attention and to reach our aims. (Over the last decade, musicians have talked more frankly about widespread homo- and bisexuality in the artist’s scene and within their own experiences – like Bronski Beat, Frankie goes to Hollywood, Joan Armatrading and Gianna Nannini… Nina Hagen discussed her bisexuality in interviews; Patti Smith lives with a man, but says that all her sexual and erotic fantasies deal only with women’s love.)

We wanted equal rights and equal attention for each member of the group: No lead guitarist, no single lead singer out in front. That’s one reason why four of the six of us sang.
We wanted to do everything by ourselves, to learn everything. On concert tours, we wanted to drive the trucks by ourselves and to install the equipment without male (or female) roadies. Therefore we had to have small scale equipment, which we could carry. We played more than forty times and did quite a lot of tours through Germany and other European countries – so you can imagine that we got muscles and skills in all the wrong places – in the arms, instead of the fingers, for those who had to play. Sometimes, we even fetched the beer for the party with our truck. Sometimes, we were exhausted by the time we started to play in the late evening.

There was hardly any distance between us and the public if at all. We did not retreat before a concert started (sometimes a mistake). We were out in the hall and fully took part in the event. Before starting to play, we often had to search and round up our band members by microphone. Not infrequently, women came to me and made arrangements for lectures at their universities, or we discussed the proceedings of feminist studies in art and art history….

You see, we wanted all and everything, we wanted the “Gesamtkunstwerk,” the overall art-and-life event. The women’s parties of the Amazonians, the euphoric first years, were an attempt to realize such utopias.

Monique Wittig and Sande Zeig called us wanderers:
“FLYING LESBIANS. Tribe of companion lovers who, as their name indicates, are wanderers. The Flying Lesbians come from Germany and have companion lovers everywhere. Singers and musicians, they owe their celebrity to the fact that they were the first group of wandering lesbians in the raving that began the Glorious Age.”
(Monique Wittig and Sande Zeig: Lesbian Peoples. Material for a Dictionary. New York 1979)

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1.4 The time afterward

The FLYING LESBIANS played for three years. They stopped playing when they found that the ideas and the development as a group had stagnated. The members had undergone different personal, political and musical developments. Some wanted to spend more time with music, some less. As for us, the euphoric wave of the women´s movement, which had carried our band, wore off. The surprise factor, the flair and the sensation of the first years, and women’s parties turned into routine for us. In a 1977 “farewell letter” to the German women’s centers, groups and projects, we wrote:

“We, the Flying Lesbians, need a creative break…The numerous live appearances have left their marks behind. Slowly, we’re beginning to feel more like a ‘mobile action orchestra’ than as women who use musical contributions to take part in a celebration of women.
It just isn’t always possible to go to so many parties one after another, always with the same form of appearances, always with new women, that one can hardly get to know it all without falling into a certain routine.
We accomplish a task, but nevertheless stand a bit apart, because for us it is becoming less and less spontaneous. Perhaps we are becoming more secure with the pieces that we play again and again, but soon we won’t even be able to listen to them any more.
The enormous time expended in the many live appearances has overtaxed us, because we all work or study and devote ourselves to the band in our free time. We no longer manage to advance ourselves musically, to create new pieces or new texts. We have the feeling, we are standing still and this has affected our group dynamics…
Consequently, through our decision, we intend to create a productive vacuum for ourselves and for the other women’s bands, who already exist.”

Within this letter, typical for our democratic values, we meticulously documented our state of finances (at the time a sum of some ten thousand German Marks) – among other things our expenses and receipts that were concerned with LP productions.

As we said in this farewell letter, in an “organic” manner in the West Berlin scene, one woman’s Rock band grew out of the other, as if out of mother corn. From the FLYING LESBIANS, some members founded “Johanna Revolta” (an allusion to John Travolta); from 1977 on, “LYSISTRARA” came into scene life. In the early 1980s, “LES-BE-TON” were formed from Johanna Revolta and Flying Lesbians. I was a member of LES-BE-TON, but this was already the early 1980s and therefore belongs to the “2nd chapter.”

Let’s listen to LYSISTRARA, who produced an LP in 1979. Note the difference. Instead of the “we,” they often speak very personally in the first person: “I cannot hear it anymore,” “I want to emigrate.” Their music was more sophisticated and they also played violin and flute – instruments, which we in the time before, thought to be very unRock-like and too “female,” because these were the instruments, a girl usually was forced to learn. The arrangements were more complicated, with an effect, in my opinion, that it required more of the attitude of a listener from the audience, as if in a concert; it was less a music for dancing. Let’s listen.

Lysistrara Cover
Lysistrara Cover Rueckseite

 

Another women’s music group, called SCHNEEWITTCHEN, was very successful and produced two records.
For some, they represented “the real female music.” They were technically very good, as you will soon hear. They produced a kind of folk music, not only in respect to their compositions and instrumentations, but also in their texts: They took traditional German folk songs and filed them up with new, feminist content. “SCHNEEWITTCHEN” (Snow White) herself, as you might know, is the main figure of a German fairy tale. They chose this name as a program, but in a different sense than that of the fairy tale story. Schneewittchen was bewitched; she lay as if dead in a coffin of glass – and she was only brought back to life when the prince came and kissed her.The band SCHNEEWITTCHEN said: “All women are kept like Schneewittchen, waiting for their redeeming prince, but all we Schneewittchens would be better off breaking and smashing our coffins of glass; our more or less golden cages.”One song was really successful. It is still sung today by the “next two generations” of the women’s movement: “Unter dem Pflaster, da ist der Strand. Komm, reiß auch Du ein paar Steine aus dem Sand” (“Under the pavement, there is the beach. Come on, grab some of the stones out of the sand.”). It is a song that oscillates between severity and softness.
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2. The 2nd Generation – Punk, New Wave and Ingenious Dilettantes

While LYSISTRARA and SCHNEEWITTCHEN were playing their soft songs, a second generation was already rehearsing in their cellars for their coming out.
Since the beginning of the 1980s, Punk and New Wave spread over Europe, and expressed this generation’s attitude toward life – a dark present and no future. Whereas New Wave took it with nonchalance, coolness and sometimes irony, Punk reflected destructivity and attacked ruined humanity under the bourgeois cover of order and discipline. There was great fear of war, because the United States and the USSR deployed middle range missiles in Germany.
Punk and New Wave opened the doors for many newcomers into the world of music. They couldn’t give a shit about professional accomplishments. Everybody could go on stage and make music. And many did – anarchic, professional bluffers, ingenious dilettantes, talented musicians, freaks and fans of a new simplicity and directness.

Many women went on the stages without having any connections to the concurrent women’s movement. In contrast, they often wanted to have nothing to do with it.
A male critic once commented on this era: “Whilst the first generation of women Rock musicians is still complaining and demanding, the second generation just and simply makes music.” It’s not quite so simple, I would say. At least the field for all-women’s groups was prepared; people had become used to the idea of women in Rock music, with electric instruments and much amplified power.

Unlike the first generation, they headed for commercialization, even posing “punk” protest, as you know. There were not many scruples. In fact, just the opposite. Hopes and aspirations for a commercial and professional career and for social advancement were an important impetus for this music.

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2.1 The “Venus Weltklang Festival” – “From Women for Humans”

I’ll play some music examples from a highlight event of this second generation: The “Venus Weltklang Festival” in Berlin 1981.

 

Abschiedsbrief

 

What’s the matter? The song’s messages did not play an important part there. The texts of the German women’s bands sound very problem-orientated, heavy, humorless, depressive, sometimes militaristic. Black is the favorite color for clothes. The aims of this music said: Let aggressions out! Provoke feminists! Or “BITCHBAND,” for example. They liked to provoke feminists by looking very militaristic, and letting a naked women dance on stage as a kind of Go-Go-Girl while they were playing.
We also find fashionably styled bourgeois destructivity and “Weltschmerz” (world-weariness); a sense of catastrophe. Note that even the names of these bands have a “program”: MALARIA, STRAPAZE, BITCHBAND, CARAMBOLAGE. They all spread a “hautgoût” (gourmet taste) of disaster, illness or stress.

Please also note that “Venus Weltklang” was a highly commercialized festival. Musicians of the less famous bands complained afterwards that they had no time at all for sound checks, while Gianna Nannini, the superstar with her all-male band, got one hour; and the whole program was rearranged just a few minutes before the concerts started to suit television needs.

If television had not financed the spectacle the festival would have been a financial flop. Instead of the 2000 people expected, only about 1200 came each of the three evenings.
The festival’s subtitle “Von Frauen für Menschen” (“From Women for Humans”) could be read as affront against the feminist bands, who explicitly played “for women only.” It was as if the organizers wanted to say: “For such emancipated women who have already lived and had parties together with men.”
However, although those bands doubled their audience (so to speak) by including men, the commercial success of these women’s bands remained below average.

Let’s listen to the music of these women’s bands from 1981, of the second generation: to “Bitchband” and “Malaria”.

At the Venus Weltklang Festival, some softer groups also played, who had also retained (or regained) a tendency toward feminist and women-specific subjects in their texts. As an example, I’ll play the “Insisters”. They combine a political and (heterosexual) emancipatory claim to a quite professional music, with popular arrangements that also include reggae and funky elements (politically, they seemed connected to a quite orthodox left milieu with an affinity to West Berlin’s “Socialists” of the SEW party).

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2.2. Where have all the Feminist Musicians Gone?

Ina Deter is an example of a singer/songwriter coming from grass roots feminism making her way quite successfully to commercialism – in 1974 with a song like “I have aborted.”She became famous for her song “I spray it to each wall: this country needs new men…”

But what were the other feminist musicians doing during this second phase – the amateurs? The women’s movement had settled down in many projects all over the country. The former students had become professors, teachers, social workers, nurses, journalists, physicians, lawyers, filmmakers, craftspeople and tradeswomen. It was a phase of consolidation. We experienced a professionalization of the women’s movement and projects, as well as a growing dissemination of feminist ideas – e.g. feminist women’s magazines like Courage and Emma (since 1977) which gave women’s concerns their own voice, and “Gleichstellungsbeauftragte”/ “Frauenbeauftragte” (women’s representatives; since 1981) spread these ideas into politics.
Many feminist women were engaged in the movements of the Greens, Alternatives, Squatterers and the Peace Movement. This channeled a lot of energy and the fear of nuclear war in Europe particularly overshadowed feminist issues.
A new interest arose for spiritual matters and the ancient wisdom of the Far East, and occasionally for magic practices.

The very strict separatism of feminist doctrines softened up. Because it was still hard to find other qualified women musicians, amateurs or semi-professionals including some feminists and lesbians started to play with men or in mixed groups. Then another quantum leap occurred, when feminist bands like LES-BE-TON and AUSSERHALB now sometimes played for a “mixed” audience – first for homosexual events, then for alternative and political events.

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3. The Third Phase: Present Trends – Complex and Contradictory

Yes, we find some prominent women making Rock and Pop music in the current international music scene: Rock ladies from Nina Hagen to Pat Benatar; popstars like Nena; avantgarde cult personalities like Laurie Anderson.

Additionally, we find more and more professional female band members, including Tina Weymouth of the TALKING HEADS and the women of the JOE JACKSON Band. We find more and more women as studio musicians and women as successful producers and promoters, such as the Humpe sisters. In Synthie Pop there are solo players like Cosa Rosa and Miko Miko.

Nevertheless, at the moment (in 1985), it seems to me as if the international music scene is facing a period of stagnation, of reviving the styles of the 1950s and 1960s. Bored by a flood of synthetic sounds, some musicians have grasped their old-fashioned acoustic guitars once again. Others stop making music – others stop making sense.
In Germany, Punk and the “Neue Deutsche Welle” phased out around 1983-84. The music industry stopped releasing singles, which were an important media, because they were relatively cheap –especially for newcomers to test new ideas – and for women’s bands. The compact disc appeared on the horizon, but is actually an expensive product.

There also seems to be a kind of pause inside the German feminist and women’s movement – a vacuum – a certain waiting for something new and for inspiring ideas; perhaps a crisis. Not in a negative sense, but in the sense that women who are interested or experienced in music try to go new ways, according to their personal – maybe therapeutic – needs, and to their political beliefs and lifestyles.

I will briefly describe two of the paths that women from the feminist scene are currently exploring.

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3.1 “E.M.P.” – My Electronic Way

In 1983, I started a solo project called “E.M.P.” and released a single LP under the same name.

EMP Cover
EMP Cover

 

The three letters originally meant Electro Magnetic Pulse, which is a side-effect after the explosion of an atomic bomb. Not only heat and radioactivity and blast waves spring up at that moment, but also large electromagnetic fields, which paralyze (like lightning) all electronic equipment – both the military equipment in the war command centers as well as my synthesizers.
You might also translate these three letters as:
End of Manmade Power – Even More Pacifism – Eternal Male Punctures – Eat Magic Pills – Electro Magnetic Patriarchy – Experience My Plagiarism…

At the moment it seems to me that I am the only woman in the German feminist scene who is interested in and playing with synthesizers, rhythm computers and sequenzers. It is well known that many women have no great faible for computers. They find them stupid and they don’t want to submit to their supposedly stereotypical, non-spontaneous rules.
I call computers “Junggesellenmaschinen” (“Bachelors machines”). It is true that computers can make one lonesome, sometimes solipsistic; and their users have already created a new type of woman in the industrialized world – the computer widow, mostly leading to divorce. It is also true that computers in music have made some musicians jobless.
On the other hand, after so many years of socialization in bands, I am enjoying the concentration, the possibility to look and to listen to what is hidden in me, and to try to unfold and realize that.
I am fascinated by these toys, because they force one to connect to different means of creativity. To connect to the left side of the brain, the composer’s half – to rational, analytic thinking, to understand and use the electro-technics; and to the right side of the brain, the emotions and intuitions, the feelings, the musician’s side.
One could argue that the connection of the two hemispheres of the brain is the basis of all creativity, at least in the Western world since the Renaissance, as well as the origin of “mental” music. That is true, too. But music computers are demanding in an additional way, because one should also understand something of the world of the physics, of sounds and waves.

Women probably seldomly use synthesizers, because they cost a lot of money – and women are the poorer half of mankind. Male musicians use insanely large synthesizer systems, such as the Fairlight computer (for $30,000 US), used by Tangerine Dream, or Spliff. One could ask whether the quality of music has become better through the means of gigantic technical possibilities and effects? Or whether the audience will not soon become oversaturated with automated effects? We will have to wait and see.

I especially like sequencers, because of their meditative or trance qualities. One can use them well for a style of Minimal music. However, what I have recorded up until now belongs more to the Pop genre. I call it “schrägen Pop” (which means oblique or unusual).

I’ll play a clip of one song for you called “Deadly Force.” I had the idea for this song when giving radio interviews in a German area, where Pershings were going to be stationed. I visited some of the already existing missile camps. I also visited a concentration camp, which had been used in this area. I was shocked by the structural atmospheric similiarity between the military camps and the concentration camps: broad streets leading directly into the sites and railway tracks; high fences; rows of floodlights; big signs saying “Deadly Force authorized – Restricted area.” “Achtung, Schußwaffengebrauch.”

I interviewed people on the streets on how they feel about the stationing of the nuclear weapons close to their village. Some cited a well-known German proverb: “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß” (“I don’t think about it. What I don’t know, won’t rile me up.”). And I thought to myself that only some forty years ago, they could have said this same phrase to themselves.
I sampled an original voice from these interviews and mixed it together with my music. It sounds like that: “Deadly Force Authorized…”

[Remark CR 2007: You can find reviews and Mp3 files of E.M.P. at www.sphinxmedien.de]

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3.2 Mobile Music – by and for Women of Action

Another trend that has actually been influencing feminist “moved women” for two or three years is the current interest in African and South American music. African drums do not seem so worn out; African musicians not so exhausted. In contrast to our fashion of coolness, they seem hot and alive. Many people are tired of harmonies and melodies. They want rhythm and to go back to the roots of music. Some people use it for therapeutic reasons.

At the same time, since about 1983, another “New Wave” started – of political actions, such as large demonstrations, blockades and anti-missile camps. Again, these required a type of mobile and live music. That meant two trends. First, the creation of new songs; second the creation of mobile bands or music groups who could easily carry their instruments with them (I unfortunately have no tapes of Greenham Common!).

This was the moment, when the squatter scene, the Alternatives and the Green Party, the Peace Movement and the women’s movement detected SAMBA.
The drums were taken away from the highly specialized Rock drummer, who artistically played as many different drums as possible, as quickly as possible. Now everybody gets one drum, one percussion instrument, quite democratically. Each person becomes one voice in a whole body of percussion. Nobody is the star, everybody has to cooperate and to learn to be precise, and one enjoys the sound of the whole. And the body moves!

At demonstrations for example, this has great effects not only for the demonstrators themselves, for the feeling of sisterhood, solidarity and unity, but also transmits this impression to the listeners and people watching. The difference to marching music lies in the impetus – a march is a rhythm of military obedience. Samba is a rhythm full of energy and joy.

Two years ago, I took part in a women’s camp against the stationing of cruise missiles in the Westgerman Hunsrueck area, at Hasselbach. At the same time, American soldiers held a field exercise with Lance missiles. In a forest, they had marked the manoeuver zone with simple clothes line, and declared it as a military “Sperr-Zone” (“Restricted Area”).

We had formed a percussion group in the camp after only one day of playing together. Women of this group entered the manoeuver area – individually, and with their instruments, while others stayed outside. Drumming, they went through the woods. In an interview, they describe the event as follows:
“Because I had this instrument in my hands, and beat this rhythm, which the women outside also beat, it was really public how I walked there. I would never before have imagined walking alone through a manoeuver area.”
Another said: “We had just learned these Samba rhythms and we felt at once that this was a very good medium to take possession of such an area. Because we all played the same rhythms, we could communicate the whole time through the whole wooded area. We were everywhere, we were alone and in groups, but we were all somehow together, by means of the sounds!”

Thus, these are examples for regaining the power of rhythm: healing, uniting and empowering, not only with groups of others, but also with one’s own inner rhythm. I’ll play the “Hasselbach-Samba” as one example of the sounds of such a women’s Samba group. The recording quality is quite poor – it was only recorded with an ordinary walkman.

By the way, the present West German government wants to forbid mummery at demonstrations. That’s why we women have created very fashionable sunglasses, in a model called the “dove of peace.” We all wear them when playing Samba.

Abschiedsbrief

Music applies even to feminist political action: “There’s no business – like show business”!

Wie gründet Frau eine Band?

Sendung von Cristina Perincioli, SFB 1981 mit Cillie Rentmeister und Hucky Porzner von „LesBeTon“, Berliner Frauenrockband von 1979 – 1982

 

frauenmusik – musik der frauenbewegung?

Cillie:
Die Frauenbewegung ist eine Strömung mit einer eigenen Entwicklung, und die Musikbewegung ist eine andere – und manchmal hat es sich überschnitten. Die Flying Lesbians waren selber in der Frauenbewegung drin, – und damals, 1974, ging es grade unheimlich los. Da haben wir halt so Texte gemacht – die passten damals unglaublich, und alle konnten mit. Und weil die Rockmusik für uns noch ganz neu war, konnten wir auch allen möglichen Scheiß spielen, Hauptsache es waren Frauen, die endlich mal solche Sachen auch gespielt haben.

Der nächste Schritt war für mich „Lysistrara“; der Höhepunkt der Bewegung war vorüber, man fing an, sich in Projekten zu organisieren, man suchte Ausgefeilteres , Diffizileres. „Lysistrara“ fing an, eher Kunstmusik zu machen, komplizierter zu werden, feinere Instrumente dazu zu nehmen, Geige, Flöte…ausgefeiltere Arrangements.
Und dann war Schluß: Dann kam aus der Frauenbewegung erst mal keine Musik mehr, und in der Bewegung war auch Ruhe, weil alle an bestimmten Sachen
gearbeitet haben. Und bei mir persönlich, was Texte betrifft, – ich konnte nicht mehr die alte Euphorie haben. Allmählich kam die Kriegsfrage immer mehr ins Gesichtfeld. Und jetzt ging’s für mich, nach drei, vier Jahren Pause wieder los, dass ich wieder Texte machen konnte.
Mittlerweile war auch in der Musikszene etwas passiert; dass nämlich immer mehr Frauen, die nicht aus der Frauenbewegung kamen, zu den Instrumenten griffen. Die Musik wurde kommerzialisiert und inzwischen „Frauenmusik“ genannt. Das waren keine Feministinnen mehr, die wurden aber zu Frauenfesten eingeladen; dann gab´s die bewussten Kräche, wenn Frauen auf einem Frauenfest den Hitler-Gruß machten, weil sie eben aus der Punk-Szene kamen.

Das war die Phase, wo sich die Szenen mischten oder auch künstlich vermischt wurden, weil Kommerzleute ein Interesse daran hatten. Zum Beispiel „Venus-Weltklang“ zu organisieren, die Frauen als Publikum, als Geldbeschafferinnen und als Plattenkäuferinnen alle ran zu ziehen – und dabei wurden die kommerziellen Bands plötzlich zu „Frauen-Bands“, auch wenn Männer mitspielten.

Mittlerweile sind aber auch eine Menge Bands entstanden, die wieder einen engeren Zusammenhang mit der Frauenbewegung haben, wie wir „Lesbeton“ und „Ausserhalb“, „Knapp daneben“, „Unterrock“, „Gegengift“ oder alles was über „Lärm und Lust“ läuft, entsprechende Texte machen, in entsprechendem Rahmen auftreten und wieder mehr Identität haben.
Ein weiterer Unterschied ist, dass wir Amateure sind und die kommerziellen „Frauenbands“ versuchen müssen, davon zu leben, d.h. die können sich ihr Publikum nicht aussuchen, sondern müssen überall spielen. Und dann stehen sie unter einem unglaublichen Druck, immer etwas Neues bringen zu müssen, damit sie im Geschäft bleiben. Der Trend, der gerade genehm ist, ist Coolheit und Depressionen, und das mit vielen 1000 Watt verstärkt: schwarz, dunkel, düster, die ganze Welt ist finster! Ich hab Lust, was anderes auszudrücken, als dieses Frischgekachelte, Aseptische! Da wir keine Profis sind, brauchen wir uns der jetzt modischen Depression nicht so zu unterwerfen und können ruhig Tacheles reden.

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Wie gründet Frau eine eigene Band?

Viele Frauen haben eine gewisse Musikausbildung genossen, – aber wie steigt frau nun um von Geige und Querflöte auf Schlagzeug und elektrischen Bass? Wie kommt frau vom passiven nach Noten Spielen zum Selber-Komponieren?

Cillie:
Eben über die Praxis; bei anderen zugucken: wie proben die, wie arrangieren die, auf die Finger gucken.

Hucky:
Von Anfang an mit anderen zusammenspielen, sich Tips geben lassen, auch von Typen.

Cillie:
In der Regel hat ein Mädchen keine Ahnung, wie ein Stecker von da nach da geht, hat keine Ahnung von Verstärkern, – und schon deshalb ist es wichtig, Kontakt zu kriegen zu so einer Kellerwelt.

Hucky:
Ich bin sowieso dafür, dass die Frauen den Männern nicht immer nur zugucken sollen und sie bewundern, sondern dran denken sollten, dass sie das selber ja auch machen könnten.

Perincioli:
Was aber, wenn sie selber noch gar keine Instrumente haben?

Hucky:
Typen fragen, ob sie ihre mitbenutzen können. Den weiblichen Charme spielen lassen. Ja, natürlich. Ich hab auch erst auf einem Schlagzeug von Typen gelernt und die haben mich begleitet! In Berlin haben Frauen jetzt das Projekt „Lärm und Lust“, das ist ein Züsammenschluß von Musikerinnen, da gibt es eine Kartei, da kann frau, wenn sie eine Band gründen will, nachsehen, welche Frauen was spielen konnen oder möchten, und kann sich mit denen zusammentun.

Cillie:
Oder wie es die „Flying Lesbians“ gemacht haben: Wir hatten damals durch einen Aufruf im Radio die ersten Musikerinnen zusammengekriegt.

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Wieviel Arbeit und Geld für eine elektrifizierte Band?

LesBeTon üben zusammen zweimal die Woche jeweils 10 Stunden;
dazu kommen Organisations- und Reparaturarbeiten und das private Üben.
Den Übungskeller teilen sie sich mit zwei anderen Bands, so dass jede Frau monatlich für Versicherung und Miete 70, – DM aufbringen muss.
32.000, – DM kosteten Musikinstrumente und Verstärkeranlage,
bezahlt aus Ersparnissen, Taxi-Fahren, zinslosen Darlehen und einem Kortison-Test bei Schering (!).

Gitarre 1000
Verstärker & Box 2000
Schlagzeug 7000
Syncussion 1000
Synthesizer, E-Piano 10000
Bass 1200
Verstärker 1300
Gesangsanlage 5000
Mixer 4000

Die beiden letzten Posten teilen wir uns mit „Ausserhalb“ und benutzen sie gemeinsam.
Auftritte in Westdeutschland machen eine Menge Unkosten, ungefähr 1.600,- Denn allein die Bus-Miete zum Transport der Gerate kostet 700,- DM, Wir selbst genehmigen uns ein Honorar von 100,- DM, die nach 2-3 Tagen Reiserei und Aufbauen auch verfressen sind. Es werden also nicht einmal die Ausgaben eingespielt, geschweige denn Gewinne gemacht.

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Kleines Wunder 1976


„Ein kleines Wunder wird vorgestellt“ Feature von Cristina Perincioli, Sender Freies Berlin, Juli 1976

Monika S.:
Ich spiele Bassgitarre, ansonsten studier ich Erziehungswissenschaften und Soziologie und ich jobbe auch in der Frauenkneipe dreimal in der Woche. (….) Hab mal früher als Blutsauger im Krankenhaus gearbeitet im Labor.

Monika Mengel:
Ich singe und mach Percussion in der Band. War vier Jahre Journalistin. Hab vergeblich versucht in einem Männeberuf Fuß zu fassen. (…) Nachdem ich mich anscheinend nicht ausreichend prostituieren konnte in diesem Beruf, was wirklich sehr wichtig ist als Frau: Man ist also mehr Sekretärin als Journalistin, obwohl man das Zeug dazu hätte. Bin dann zweimal rausgeschmissen worden aus Berliner Zeitungen, studier jetzt Geschichte, um mehr über meine eigene Geschichte raus zu finden und die Geschichte der Frauen.

Danielle de Baat
Ich spiele Gitarre und singe und habe bis vor paar Monaten in Amsterdam Kupferstiche gedruckt.

Cillie Rentmeister:
Ich spiele Klavier; singe und spiele Mundharmonika. Und ich hab Kunstgeschichte studiert und schreib da jetzt meine Doktorarbeit über ein Frauenthema.

Christel Wachowski:
Ich spiele auch Gitarre und hab insgesamt sechs Jahre im Büro gearbeitet und mich wegen der Monotonie für den zweiten Bildungsweg entschieden und studier jetzt Völkerkunde.
Die Gigi ist jetzt nicht da. Sie spielt Schlagzeug. Sie ist inzwischen nach Augsburg gezogen und die hat mal ne Lehre als Kirchenmalerin gemacht und ist mittlerweile Wirtin geworden.
Wir suchen jetzt ne Schlagzeugerin!

Monika S.:
Hey! Sei doch mal endlich ruhig‘ Ich spiel Schlagzeug!
Wir sind übrigens drei Monikas in der Band. Die Dritte ist die Monika Jäckel, die ist jetzt nicht da. Sie singt bei uns und schreibt auch Texte und ansonsten ist sie eigentlich Soziologin und arbeitet bei „Frauenoffensive“, in München, dem Frauenverlag.

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1974 – ein Wunder

Sieben Frauen machen zusammen Musik, das kommt schon mal vor. In der klassischen und in der Folkmusik. In der Rock-Musik aber ist kaum eine Frau anzutreffen. Außer als Sängerin, als erotische Zugabe. Eine Frau am Bass oder gar am Schlagzeug, wie Suzie Quatro sind bestaunte Einzelexemplare.
Denn außer Gitarre, Querflöte und Schellenring werden alle Instrumente in dieser Musikszene als „typisch männlich“ angesehen. Ebenso ist Komposition und Texten Männersache. Und Management erst recht.
Die Musik, die dabei entsteht, kann man schließlich mit gutem Recht als „Männermusik“ bezeichnen, dh. eine Musik, wo fast ausschließlich Männer sich ausdrücken, ihre Gefühle und ihre Ansichten verbreiten. Sie haben das Monopol.

Natürlich gibt es auch noch die „Oben-ohne-Frauenbands“, die aber nur in den entsprechenden Lokalen spielen. Hier dürfen Frauen zwar auch die „Männerinstrumente“ spielen, doch es gibt im ganzen Musikgeschäft kaum eine Form, wo Menschen sich mehr prostituieren müssen als hier, wo Musikerinnen nur akzeptiert werden, wenn sie auch ihren Körper und ihre Sexualität verkaufen.
Auf dem Hintergrund dieser Betrachtungen kann man jetzt wohl besser verstehen, dass eine „selbständige“ Frauenband in dieser Musiklandschaft ein kleines Wunder ist.

Die Frauenband „Flying Lesbians“ tun genau das Gegenteil von dem was sonst für Frauen in diesem Geschäft üblich ist:
sie schreiben und komponieren ihre Lieder selbst,
machen die Technik alleine,
sind unabhängig von irgendwelcher Plattenfirma,
managen sich selbst
spielen nur vor Frauen,
und obendrein haben sie auch noch Erfolg mit diesem Rezept.
Der Erfolg zeigt sich z.B. darin, dass sie eine eigene LP auf den Markt gebracht haben und dass sie, wo immer sie spielen, volle Säle haben; beides Erfolge, von denen andere Amateurbands nur träumen können. Warum das so ist, woran es liegen mag, möchte ich in dieser Sendung untersuchen.

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Unterschied zu Männerbands

Ich habe dazu auch die männliche „Konkurrenz“ befragt: Udo Arnt und Michael „Fame“ Günther von den Berliner Rockgruppen „Os Mundi“ und „Agitation Free“, beides Gruppen, die die Frauenband am Anfang mit Technik und Wissen unterstützt haben, und Tom Müller von Capitol.
Tom definiert den Unterschied zwischen Capitol und den Flying Lesbians so:

Tom:
Wir wollen mit unseren Texten keine Mission erfüllen. Unsere Texte sind ein musikalisches Element. Wie jedes einzelne Instrument, was hier spielt. Die Stimmen sind uns dabei wichtig, weniger die Texte. Wenn‘s reinpasst, kann man auch „schubidubidu“ singen.
Wenn die Flying Lesbians die Musik machen würden, die wir machen, würden sie als Frauenband gar nicht ankommen. Sondern sie machen ja Musik unter Berücksichtigung dieser Frauenbewegung, wo ja fast alle Mitglieder sind. Sie sprechen ja hauptsächlich Frauen an, spielen auch nur vor Frauen (…) Und dadurch werden die mit ihrer Platte auch einen Erfolg haben, das wäre also nichts für den kommerziellen Markt.

Fame:
Wenn wir proben, dann proben wir, um musikalisch perfekter zu werden, das ist das erste Anliegen. Übern Text, ne richtige Aussage, ne Idee, die hinter unserer Gruppe steht, da kann man sich kaum Gedanken machen.
Jetzt gibt es so und so viele Männerbands, die fleißig üben, sich abstrampeln, die also wirklich rumackern wie die Irren, sich ihre großen Anlagen zusammenkaufen, deswegen auch gut klingen auf der Bühne, alles so perfekt – und die kriegen in Quartier Latin vielleicht bloss 4o Leute hin. Also ne Band, die gut geht, wenn die 2oo Leute im Quartier haben, dann sind die schon so überglücklich, das ist schon herrlich. Und Stimmung ist da dann auch noch nicht!

Udo:
Aber jetzt musste dieses Phänomen erklären, dass zu Euch, der Frauenband ne ganze Menge Leute kommen, ziemlich voll ist, gute Stimmung auch – obwohl, und das wisst ihr ganz genau und das wissen auch die meisten Leute die euch hören, weil sie auch Platten kennen, dass das von der rein musikalischen Qualität nicht das Irrste ist.
Das heißt (…) dass eben der Inhalt, der dahinter steckt, dass es das ist, was die Leute hinkommen lässt und interessiert, was ihr macht, dass ganz deutlich ne Aussage für viele Leute da hinter steckt.

Warum haben denn die Männerbands keine Aussage, wofür die Leute kommen?

Udo:
(Lacht) Das ist die gute Frage!

Fame:
Sie wollen im Grunde genommen alle nur Musik machen, darum geht es. Musik als ein Mittel sich darstellen zu können, oder einen Louis machen zu können.

Cillie Rentmeister:
Bei uns sieht man schon an der Entstehungsart, dass wir eben anders gebaut sind als die. Denn wir sind auf einem Frauenfest entstanden, aus einem bestimmten Bedürfnis heraus, weil einfach ne Frauenband her musste. Während diese Bands deshalb entstehen, weil sie ‘ne Band machen wollen, weil sie Musik toll finden, oder weil sie in‘ s Geschäft kommen wollen.

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Entstehung

Wie ist denn diese Frauenband entstanden?

Cillie Rentmeister:
Vor zweieinhalb Jahren haben wir noch über SFbeat unsere erste Schlagzeugerin gesucht. Ein Jahr haben wir vor uns hingekrepelt, sind nix geworden, fünf, sechs Frauen – hatten sogar noch ne Geige dabei.
Doch dann gab es das große Fest in der TU, ein Frauenfest. Zwei Tage vorher fiel die englische Frauenrockband aus, da wurde über Telefon, über Nacht sozusagen eine Frauenband aus Berlin zusammengetrommelt. Ja! Die stand zwei Tage später auf der Bühne mit Instrumenten, geliehen von Os Mundi und einer Anlage, die aussah, als ob Chicago spielt! – Eine Riesenanlage! Keine Ahnung von Technik, kaum Ahnung von Musik und Gesang, noch ein paar selbst gefertigte Texte in der Tasche, die wir noch nie richtig zusammen gespielt hatten, einen Tag vorher konnten wir noch mal proben und dann ging am nächsten Tag das Fest los. Und das war ganz toll. Aber es war eben auch deswegen so toll, weil die Frauen so toll waren, die auf dem Fest waren. Die wussten genau, wir sind da das erste Mal und die fanden das ganz irre.
– Haben getanzt wie die Irren auf alles was irgendwie tanzbar war!
Am Mischpult hatten wir zwei Frauensitzen, die hatten das wohl schon mal bei den Männerbands gemacht…
– Ne, ne! Die hatten alle Regler festgeklebt (Lacher).
Die hatten die Männer vorher eingestellt und mit Tesa festgeklebt, die Regler!
– Aber einer nach dem ändern wurde dann gelöst! (Lacher)
(s. Fotos Frauenrockfest)

Monika S.:
Am Anfang hatten wir dann auch gleich die Gelegenheit, uns blendend zu verkaufen. Da kamen auch schon so Manager uns auf die Spur. So einer hat uns dann ein Angebot gemacht, uns fest unter Vertrag zu nehmen. Das hieß, wir müssten dann ca. 4 mal in der Woche für ihn spielen in irgendwelchen Schuppen – da hätten wir dann überhaupt keinen Einfluss mehr drauf – irgend eine Show abziehen, wahrscheinlich genau vorprogrammiert, genau gekleidet, genau abgestimmt auf Sound und Farbe, Und entsprechend mit den Brüsten wackeln, nehm’ ich an, und dafür bekamen wir dann monatlich ungefähr 2.ooo.-DM. Wobei dazu zu sagen ist, dass auf diesen üblichen Veranstaltungen zu 70% Männer sind und wir da auch einen besonderen Showeffekt geliefert hätten, allenfalls, – auf Musik wär‘s sicherlich nicht so besonders angekommen, sondern eben auf unsere Darstellung als scharfe Bräute auf der Bühne – ist ja auch ne Marktlücke.

Christel Wachowski:
Die dann auch noch lesbisch sind!

Cillie Rentmeister:
Wenn wir überhaupt so hätten heißen dürfen, das ist schon das erste – das zweite wäre, dass wir die Texte wahrscheinlich nicht mehr hätten selbst machen dürfen, zumindest nicht mehr in dem Sinne in dem wir sie jetzt machen, nicht mehr das sagen, was wir sagen wollen, das was uns angeht.

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Nur vor Frauen

Die Flying Lesbians spielen nur vor Frauen. Wie kommt das eigentlich, warum habt ihr euch dazu entschlossen?

Monika Mengel:
Also, das ist einmal die Entstehungsgeschichte, dass wir ne Band sind, die aus Frauen besteht, die in der Frauenbewegung waren. Und dann aus dem Bedürfnis der Frauenbewegung heraus angefangen haben, Musik zu machen. Und dass wir uns nur an Frauen richten wollen, sowohl mit unserer Musik, als auch mit den Texten.

Und wir wollen nicht vermarktet werden, nicht angeglotzt werden, wenn wir Musik machen. Monika S., die Bass spielt und ich, wir haben früher schon in Bands gespielt, in Bands, wo Männer die Musik machen.
Bei mir war das so, dass ich die vorgegebenen Texte, meist bekannte Songs gesungen hab und quasi nur ausführendes Organ war – eine mehr oder weniger attraktive Orchidee im musikalischen Salat. Ich wurde mehr angeglotzt, als dass man mir zuhörte. Meine Stimme wurde zwar als Unterlage für geile Tanzschritte verwendet, aber das war auch alles. Einmal bei einem Konzert, ging mir das so auf den Wecker, dass ich mich auf der Bühne hingesetzt hab und die Typen anschrie – ich sang ein Lied von Judy Driscol, „Break it up“, und da hab ich die nur noch angeschrien: „break it up“!, hört doch auf ihr Scheißkerle, ich hab die Nase voll! Die fanden das nur noch toll, dass ich mich so aufrege! Da bin ich aber weggegangen.

Monika S.:
Na ja, ich war halt ein Instrument und musste schon viel besser sein, als die Typen, nun war ich ‘s nicht. Da wusste ich das da nun also auf einer anderen Ebene bringen: Ich bin also raus aus der Gruppe und hab Go-go-Tanz gemacht!
Das mit dem Go-go-Tanz, das lief so ganz gut, ich hab da auch plötzlich mehr Geld bekommen. (Lachen) Irgendwann hat ich dann die Nase voll und hab dann wieder Bass gespielt und bin raus aus dieser ganzen Szene. Ich hatte total die Nase voll von dieser Art Musik zu machen und Männer da auch zu unterstützen. Wir hatten Soul gespielt und Texte, wie „Say it loud, I‘m black and proud!“ also ziemlich mackerhafte Black Panther Ideologie verbreitet, – für mich war wirklich nirgendwo ein Platz.

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Geld

Wieviel Geld mussten die Frauen aufbringen, damit sie zu siebt in einer Band spielen können? Denn mit dem Instrument alleine ist es ja nicht getan; jede braucht dazu noch einen Verstärker und einen Lautsprecher?

Monika S.:
Rund 25.ooo.-DM

Habt ihr einen Kredit aufgenommen oder habt ihr irgendwen, der euch das alles bezahlt?

Cillie Rentmeister:
Wir bezahlen uns das alles selber. Und zwar aus der Privatschatulle! Vom selbst verdienten Geld. Deswegen haben wir es auch erst nacheinander angeschafft. Wir haben mit ganz kleinen, alten Klamotten angefangen, gebrauchten. Jetzt haben wir zwar auch z.T. gebrauchte Sachen, aber hochwertige. Deswegen dauerte es anderthalb Jahre, bis wir unsere Anlage so einigermaßen zusammen hatten.

War das für euch schwierig mit dieser Technik klar zu kommen? Bei Männerbands sieht man einen Haufen Techniker rumschwirren, die die Sachen auch tragen und daran rumfummeln, die Musiker haben damit eigentlich nichts zu tun? Wie ist es bei euch?

Monika S.:
Wir machen das selber: wir bauen auf, wir bauen ab mit Hilfe der Frauen im Saal. (..) Wir sind total unabhängig von Männern, wir brauchen auch keine Roadies zum aufbauen. Wir haben auch einen ganz guten Bezug zu unserer Anlage. Aus Transportgründen haben wir eine ganz kleine Anlage, keine dieser phallokratischen Powertürme, dafür leicht und schön zu transportieren – die meisten Veranstaltungen sind ja in Westdeutschland… die haben wir ganz gut im Griff, technisch.

Ihr verzichtet auf einen Manager oder eine Firma, die hinter euch steht, habt es also alleine geschafft eine ganze Anlage zusammen zuspielen oder zusammen zu sparen und jetzt habt ihr eure erste LP gemacht und auch das ohne Firma, sondern selbst organisiert, selbst das Geld zusammengebracht. Wie ist das überhaupt möglich?

Cillie Rentmeister:
In der Frauenbewegung funktioniert ein Kreislauf – oder fängt an, sagen wir mal. Es gibt schon einige Projekte, wie „Frauenoffensive“, „Frauenkalender“ und ähnliche, und die leihen uns Geld für die Platte. Wir rechnen natürlich auch damit, dass wir zumindest ab der 2.Auflage – bei der ersten wird nichts raus springen – aber ab der 2. Auflage Gewinne machen. Wir haben beschlossen, dass wir ja Berufe haben, und davon auch leben können, dass wir die Profite dann auch wieder in die Frauenbewegung oder in Projekte, die aus der Frauenbewegung kommen, reinstecken.

Christel Wachowski:
Wir können aber sagen, dass die Profite bei uns nicht so hoch sein werden, wie bei den üblichen Platten, weil wir für eine Platte nur 18.-DM verlangen, wogegen die Platten üblicherweise für 22.-DM verkauft werden, und diese 4.-DM Differenz sicherlich reiner Profit wären. Das sind dann 20.000.- DM bei einer Auflage von 5.000.

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Offensiv lesbisch

Warum sagt ihr so ausdrücklich, dass ihr lesbisch seid?
Warum muss das so provokativ sein?

Cillie Rentmeister:
Tja, es wirkt nur provokativ.
Es gab auch schwere Diskussionen unter uns, ob wir‘s machen wollen; die Entscheidung war überhaupt nicht leicht. Und zwar deshalb weil‘s Lesbierinnen noch gar nicht so gut geht, dass wir es uns leisten können zu sagen: wir sind lesbisch! Und das waren auch wirklich unsere Überlegungen.
Das heißt: Lesbierinnen sind noch lange nicht so toleriert, wie in liberalen Medien oft getan wird.
Die Probleme homosexueller Frauen sind andere als die von heterosexuellen Frauen: Angefangen von Berufsverbot bis über die ganzen Ängste des Versteckspielens. Stell dir also eine lesbische Lehrerin vor, die sich als Lesbe bekennt, die würde sofort rausfliegen und hätte wirklich lebenslang Berufsverbot mit der Begründung, dass Lesben keine Kinder erziehen dürften. Sie muss also immer den Freund vorkehren, den Verlobten oder wie auch immer.. Sie kann nicht mit ihrer Freundin auf den Lehrerball oder sonst wohin gehen. (..) Es gibt so viele Formen des Versteckspielens. Das hinterlässt dicke Spuren. Die Frauen stecken in einer Schizophrenie, sie müssen sich von dem, was sie eigentlich sind, trennen, müssen sich quasi immer neben sich stellen, so dass sie schließlich ihre Identität verlieren, durchdrehen. Es gibt ungeheuer viele Frauen in der Psychiatrie mit der sog. Diagnose „Lesbe“: für die orthodoxen Psychiatrie eine Krankheit.

Im L.A.Z. werden lesbische Frauen beraten. Wie sieht das aus? Du als Bandmitglied bist da auch bei gewesen, machst also auch die praktische Arbeit.

Monika S.:
Ich find Beratung für homosexuelle Frauen sehr wichtig, besonders für die Frauen, die nicht organisiert sind in Lesbenzentren oder Frauenbewegung, also grade die Frauen, die nicht die Gelegenheit haben, in Selbsterfahrungsgruppen oder in anderen Arbeitsgruppen ihre Probleme zu formulieren.

Cillie Rentmeister:
Dann gibt es noch weitere Probleme: Mädchen, die zu Hause wohnen und lesbisch sind, die keine Freunde mit nach Hause bringen und entsprechend zur Normalität geschuppst werden: „Was ist denn mit dir los! Bist du krank? Die anderen Mädchen ham‘ doch alle, wann kommt denn endlich mal… und wir wollen ihn mal kennen lernen“ u.s.w. Die auch wieder in dieser ziemlich verrückten Situation sind, sich verstecken zu müssen, denen die Möglichkeit fehlt, sich dazu zu bekennen, zu was auch – sie kennen ja keine anderen Lesbierinnen!
Wenn ich an mich denke: mit 15, 16 bist du so isoliert, deine ganzen Freundinnen von früher nehmen sich grade ihre männlichen Freunde, mit denen kannst dann grade an dem Punkt nicht mehr drüber reden, wenn‘s bei dir losgeht. Dann bist du eben alleine.

Monika S.:
In der Beratung verschaffen wir ihnen Selbstwertgefühl, dadurch, dass wir selber Lesben sind, dass wir die ganzen positiven Seiten vermitteln und uns selbst über Frauen identifizieren.
Für mich entstand mein Lesbischsein innerhalb der Frauenbewegung. Ich glaube es ist eine Art Kampfmassnahme für viele Frauen (…) Das heißt, den Männern den Krieg erklären. Und zwar genau dann, wenn man nicht nur einfach lesbisch ist, nicht nur mit Frauen zusammen ist, sondern sich nicht mehr verkauft, sich nicht mehr unserer Sozialisation entsprechend verhält, sich nicht daran orientiert, ob Typen uns dufte finden oder nicht, sondern wenn wir einfach so sind, wie wir Lust haben.
Ab einem ganz bestimmten Punkt erschien es mir schizophren, in der Frauenbewegung politisch zu arbeiten und gleichzeitig mit Männern zusammen zu leben. Wenn man gegen die Unterdrückung kämpft, wie kann man sich dann mit den Unterdrückern zusammentun?
An zu vielen Fronten kämpfen wir gegen Männer: da wo sie uns vergewaltigen, uns fertig machen, wo sie bessere Stellen haben, trotz gleicher Ausbildung, wo sie über uns bestimmen, in der Familie, und sonst wo auch immer. Und da wir auch alle Liebe brauchen, war das für mich eine ganz einleuchtende Sache, dass ich nur noch mit Frauen zusammen bin.

Cillie Rentmeister:
Der wichtige und entscheidende Schritt liegt eigentlich da, wo frau sich entscheidet lesbisch zu sein, weil sie da große Gefahren eingeht: sie ist als Lesbierin isoliert. Ja, es stimmt einfach!! Bestimmte Kreise, gesellschaftliche, werden ihr dadurch u.U. verschlossen. Bestimmte Beziehungen eröffnen sich ihr nicht mehr. Diesen Schritt scheuen sehr viele bisexuelle Frauen, weil sie genau sehen, was auf sie zukommt, wenn sie der Männerwelt endgültig ade sagen. Dann ist nämlich der Ofen erst mal aus.

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Bisexualität

Wie kann man denn die Frauen so ablehnen, die auch mal versuchen, mit einer Frau eine Beziehung zu haben?

Monika S.:
Nein, ich glaube nicht, dass wir diese Frauen ablehnen. Aber wir nehmen ihr Verhalten kritisch aufs Korn und zeigen ihnen ihr schizophrenes Verhalten; dass sie nämlich durch ihr Verhalten Frauen ausspielen.
Wenn eine Frau eine Beziehung zu einem Mann und zu einer Frau hat, hat die Frau die schlechteren Karten. Sie kann einfach nicht die gleiche soziale Sicherheit bietet! Bisexualität ist mehr eine Spielerei – man braucht sich nicht zum Lesbischsein bekennen, zu der Beziehung zur Frau, denn da ist ja noch der Typ, man ist ja irgendwo noch normal und wird immer noch akzeptiert – ist ja alles nur eine lustige Variante.
Ich hab z.B. – wo ich doch schon so lange lesbisch bin -Beziehungen mit Männern nicht ausgeschlossen, weil ich dadurch irgendwie akzeptiert wurde, ich konnte ruhig lesbisch sein, wenn ich nur nicht, Männer als Männer einfach ablehnte!

Wie hat der Verzicht denn für dich ausgesehen?

Monika S.S.:
Also männliche Sexualität hat mir nie besonders viel geliefert. Der Verzicht war schon eher dieses Eingestehen, dass einen sämtliche Männer für verrückt erklären. Das muss man sich mal vor Augen halten: Da hat man also jahrelang ne Rolle gespielt, ne dufte Frau zu sein, hat die tollsten Flugblätter geschrieben, hat versucht, weiß der Teufel über welche Mechanismen, ernst genommen zu werden und irgendwann bekommt man verklickert, dass man doch nur als Sexualobjekt akzeptiert wird.

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Battered wives

Die Lieder der „Flying Lesbians“ entstehen meist aus einer persönlichen Erfahrung. Manchmal wird aber auch ein Lied gemacht, weil bestimmte Belange der Frauen unterstützt werden sollen. So haben die Frauen der Band sich z.B. mit dem Problem der Misshandlungen in der Ehe auseinandergesetzt.

Cillie Rentmeister:
Das Lied „battered wife“ war eines unserer ersten. Ich glaub es ist schon eine ganze Weile her, zwei Jahre. Es entstand weil wir hörten, dass in London Frauen einige Häuser besetzt hatten. Du (C.P.) und Monika (Mengel) seit da hin getrampt und habt erfahren, dass die Häuser von „battered wives“ besetzt waren, von misshandelten Ehefrauen, die nun von überallher nach London flüchteten.

Da fingen wir erst an, uns davon einen Begriff zu machen: da haben wir uns hier Zeitungen geschnappt und verstanden Meldungen wie diese: „Ehemann über gießt seine Frau mit Benzin und steckt sie in Brand“, „Ehemann überrollt seine Frau mit dem Auto“ – weil sich diese Frauen trennen wollten.
Normalerweise kann ja die Polizei nicht eingreifen, sie sieht sich außer Stande, die Frauen da rauszuholen, Die Frauen haben also real gar keine Fluchtmöglichkeit. Einfach nur wegzugehen – sie müssen irgendwann zurück, um sich um die Kinder zu kümmern; meist finden sie ja auch gar keine Unterkunft mit den Kindern.
Vor vier Tagen stand in der Bild-Zeitung: vier Millionen Ehemänner schlagen ihre Frauen! Das ist ja gewaltig! Tierschutzvereine gibt‘s – aber für geschundene Ehefrauen gibt‘s nichts. Das ist schon ziemlich hart.
Eine Gruppe im Frauenzentrum will ein Frauenhaus aufbauen. Irgendwie muss es zu schaffen sein, dass der Staat das Geld gibt (Einige Monate später wurde in Berlin das 1.Frauenhaus eröffnet).

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