Swetlana Freifrau von dem Bottlenberg

Swetlana war Schlagzeugerin und Sängerin der Flying Lesbians von Beginn an bis 1975.
Ihr Vater, Emil Minkow, spielte erste Geige im Orchester der Staatsoper (West)Berlin.
Swetlana studierte Operngesang an der HdK Berlin und war bei den Flying Lesbians die einzige Profimusikerin.
 

Swetlana Minkow am Schlagzeug

 

Bis heute tritt sie zusammen mit ihrer Lebenspartnerin Cora Freifrau von dem Bottlenberg als Pop-Duo Cora auf. Bekanntester Hit des Duos wurde 1985 Amsterdam (Liebe hat total versagt). Sie textet und komponiert auch.

Mit Cora zusammen führt sie ihr Hotel und Restaurant Gut Schloss Golm bei Potsdam.

 

Swetlana Minkow am Schlagzeug
Swetlana von dem Bottlenberg (geb. Minkow) am Schlagzeug
Alle Fotos: Cristina Perincioli

M.S.

M.S. möchte, dass ihr Name wegen geschäftlicher Beziehungen in homosexuellenfeindliche Länder hier nicht mehr zu lesen ist.

 

Cillie Rentmeister

Cillie (Cäcilia) Rentmeister gehört mit zur Gründerinnengeneration der West-Berliner Frauenbewegung ab 1973. Promoviert in Kunstwissenschaften, hat sie die feministische Kunst- und Kulturwissenschaft mit erfunden und war auch Mitglied der ersten Dozentinnengruppe in Berlin, die dort die „Sommeruniversitäten für Frauen“ startete.
Studien u.a. zu „Matriarchaten“ – einschließlich Reisen zu „modernen Matriarchaten“ in Asien und den USA, und „Bevölkerungspolitik, ´Human Development´ und ´Reproduktive Rechte´“, unter dem Motto „Entwicklung ist weiblich“.

 

Cillie Rentmeister

Von 1994 bis 2014 lehrte sie als Professorin an der FH Erfurt „Gender Studies“ und „Interaktive Medien“. Publikationen im Web unter: www.cillie-rentmeister.de.
Herausgeberin interaktiver Produktionen von Cream siehe Impressum.
C.R. lebt mit Cristina Perincioli in der Nähe von Potsdam. Seit den siebziger Jahren ist sie „Flying Lesbian“ auch im doppelten Sinn als (Motor-)Pilotin.
Nach den „Flying Lesbians“ spielte sie in den achtziger Jahren Rockmusik mit der Berliner Frauenband „Les-Be-Ton“, und New Wave mit dem Solo-Projekt „E.M.P.“
Zur Geschichte von Frauenrockmusik, Frauenfesten und den Flying Lesbians stehen Texte von ihr unter Frauenfeste und in englisch Sounds of the Women’s Movement.

 

Cillie Rentmeister mit ihrem Flugzeug
Flying Lesbian mit ihrem Flugzeug „Bin Flink“

Monika Mengel

Das einzige, n i c h t-zerkratzte Exemplar der Flying Lesbian-LP verstaubt wahrscheinlich irgendwo, tief im Wohnzimmerschrank meiner Schwester. Vielleicht ist das gute Stück damals aber auch gleich in den Müll gewandert. Jedenfalls wurde über „meine“ Schallplatte zu Hause nie wieder gesprochen. Auf Nachfragen, nur Schulterzucken.
Überall sonst ist das leuchtend rote Cover mit der silbernen Doppelaxt und die schwarze Scheibe durch liebevollen Gebrauch kaum noch zu benutzen. Aber, wer hat heute schließlich noch einen Plattenspieler? Deshalb ist es toll, dass es jetzt eine CD gibt. Vielleicht interessiert sich ja meine Großnichte mal dafür?

 

Monika Mengel

Als es 1974 losging, war ich 23 und grade mal ein Jahr lesbisch. Hinter mir lagen: mein Zeitungsvolontariat, Sponti-Zeiten, auch ein paar halbwegs erfreuliche Männerbeziehungen, eine aufwühlende Liebesaffaire mit einer Frau und erste zaghafte Versuche im Berliner Sub. Durch Cristina Perincioli bekam ich glücklicherweise Kontakt zur Frauen- und Lesbenszene. Und dann ging alles ganz schnell. Seit 35 Jahren bin ich nun „im Club“ und kann mir – trotz höchst dramatischer Trennungen sowohl von Geliebten, als auch von den Flying Lesbians – nichts Schöneres vorstellen. Mit meiner Freundin Claudia lebe ich mittlerweile seit 21 Jahren in der Eifel. Allerdings, als entschiedene Gegnerin einer staatlichen oder gar kirchlichen Liebes-Erlaubnis – in wilder Ehe. Auf unserem Hof gibt es noch Hunde und Katzen und meist leben hier auch noch andere Frauen/Freundinnen.

Die Musik hat mir immer sehr viel bedeutet. Gesang, das habe ich erst später von Frauen wie Carien Wijnen, Ida Kelarova und Romy Camerun – und durch die Songs von Billie Holiday – gelernt, ist nicht nur Ausdruck der Seele, sondern sehr heilsam. In der Regel für die, die singt.

Die Musik der Flying Lesbians – auch wenn wir beim ersten Frauenfest kaum mehr als vier Lieder spielen konnten – hat die Frauen bewegt: emotional und muskulär. Ich werde nie dieses Frauen-Körperfeld vergessen, das vor der Bühne hin- und herwogte: lachende Frauen, weinende, in langen Hippie-Röcken, eine in Pelz-Stola und schwarzem Wuschelkopf, viele mit freiem Oberkörper, wieder andere im schwarzen Leder-Outfit. Kesse Väter aus dem Sub, Femmes, Heterofrauen und Lesben aus dem Zentrum und vom LAZ und ein paar ältere Lesben, die wahrscheinlich noch die Nazi-Zeit erlebt hatten und nun plötzlich von den Jungen einfach mitgerissen wurden. Vorsichtig zunächst und dann beherzt gingen sie alle beim Tanzen auf Tuchfühlung. Was damals überhaupt nicht üblich war! – Es nahm mir den Atem: so viele, schöne Frauen gibt es? Und da waren sie alle.

Dass die Flying Lesbians zusammen blieben, ist wohl dieser Euphorie zu verdanken. Wir wurden getragen und angespornt. Denn Vollblut-Musikerin war ja kaum eine von uns. Jobs, die politische Arbeit, Beziehungen, WG-Konflikte – all das kostete Zeit und Nerven.
Außerdem gab es den Anspruch, alles selbst zu machen, vor allem mit der Technik klarzukommen. Wie habe ich das verflucht! Und dennoch: die bewundernden Blicke der Fans, wenn wir die Boxen schleppten, den alten Hanomag steuerten, wie wir fachfrauisch die Kabel löteten und bald keine Blitze mehr krachten, wenn wir den Stecker in den Verstärker drückten.
Ich kannte Solo-Auftritte von früher, hatte eine eigene Folk-Gruppe und habe in Rock- und Jazzbands gesungen. Die Rolle als Sängerin ist schizophren. Du schaffst Emotionen, genießt die Euphorie und willst doch nach dem Auftritt am liebsten verschwinden. Denn plötzlich meinen die nicht die Stimme auf der Bühne, sondern dich. Männer abzuschütteln, hatte ich gelernt. Frauen wollte ich nicht verletzen. – Aber ich schwöre, ich habe nie eine abgeschleppt!

 

Monika Mengel mit Hund

Auch in der Band gab es Missverständnisse und natürlich auch Eifersucht. Wer das leugnet, hat keine Ahnung vom Musikmachen. Und es gab den Vorwurf: die eine tut zu wenig, die andere schuftet zu viel. Ich glaube, wegen dieser Konflikte und weil für uns alle nicht die Musik das Wichtigste im Leben war, sind die Flying Lesbian auseinander gegangen. Wären wir absolut passionierte Musikerinnen gewesen, vor allem mit Erfolg in der – Männer dominierten – Rockszene, hätten wir sicher weiter gemacht. Der Beweis sind die vielen tollen Frauenbands, die es ja mittlerweile gibt.

Es gab sehr schöne Momente in der Band. Ich erinnere mich an das konzentrierte Arbeiten im Studio. M.S. hatte zwei sehr gute Techniker an Land gezogen, die uns sehr fair unterstützt haben. Technikerinnen in Musikstudios, das gab es damals noch weniger als Instrumentalistinnen auf der Bühne. Ich weiß noch, wie aufregend es war, spät in der Nacht, mit einem Bier in der Hand, die fertig gemischten Aufnahmen zu hören.

Zum Glück gab es ja für uns alle ein Leben nach den Flying Lesbians. Für mich war das auch die Landlesben-Bewegung und ist bis heute meine Arbeit als Hörfunk-Journalistin.

Ab und zu bin ich später alleine aufgetreten. Und einige Male mit Begleitung. In Kassel haben die Pianistin Barbara Gabler und ich einen schönen Abend mit Liedern von Billie Holiday gegeben.
Und bei solchen Gelegenheiten ist es dann wieder da: dieses Bild von den 2000 Frauen, die miteinander tanzen, lachen und singen: „Frauen kommt her, wir tun uns zusammen….“ und „Wir sind eine Million Jahre alt…..“

Rundfunkarbeiten von Monika Mengel: Frauenporträts aus Geschichte und Gegenwart, unter:
www.wdr5.de, Menüpunkt „Archiv“, dann Eingabe bei „Suche nach“: „starke frauen mengel“.

 

 

Gigi (Christa) Lansch

Gigi Lansch

Unsere Drummerin starb am 23.8.2002 in Augsburg

Monika Jaeckel

Monika Jaeckel
Monika Jaeckel forschte lange Jahre beim Deutschen Jugendinstitut in München als Soziologin zu frauen- und familienpolitischen Themen. Dann zog sie nach Amsterdam und gründete zusammen mit ihrer Ehefrau Marieke van Geldermalsen die Firma M&M – Coaching & Research in Social Innovation.
Musikalisch war sie nach den Flying Lesbians noch in verschiedenen Frauenbands in München aktiv, unter anderem mit „Witch is Witch“ , „Rhythm and Romance“ und „Samt und Saite“.

Am 6.11.2009 ist Monika Jaeckel an Gebämutterkrebs gestorben. Ihre Gefühle und ihre Entwicklung während der Krankheit beschrieb sie regelmässig in Rundbriefen. In den Tagen vor ihrem Tod sah sie ein strahlendes Licht und einen weiten Kreis von Menschen, die traumhaft sangen und tanzten. Sie stellte sich vor, dass sie in einer Art Hängematte dort hinüberschwingen würde. So wurde es dann ein schöner, friedlicher Übergang.
Dies und weiteres von und über Monika Jaeckel kann man hier nachlesen: www.monikajaeckel.com

Biografisches

Ich stiess erst nach den ersten Auftritten dazu – als die Tourneen in den Westdeutschen Städten begannen. Von Anfang an war ich im ganz wörtlichen Sinne eine „Flying Lesbian“. Denn ich wohnte in Westdeutschland und kam zu den Übungsterminen der Band nach Berlin eingeflogen.

Anekdotisches

Das Lied „Wir sind die homosexuellen Frauen“ war das Ergebnis eines feucht fröhlichen Abends rund um das Lagerfeuer auf einem internationalen Frauencamp in Süd-Frankreich. Zuvor hatten wir einen Aufruhr am Strand produziert, als wir einen „Grapscher“ kollektiv bei der Polizei angezeigt hatten.
Was war das Wichtigste damals an den Flying Lesbians für Dich?

Wir hatten Botschaften, wir hatten Visionen, wir hatten die Wertschätzung für das eigene Geschlecht entdeckt. Wir waren stolz auf unsere Liebe zu Frauen. Die Band und die Frauenfeste boten eine wunderbare Plattform dem allem Ausdruck zu geben: lautstark, zelebrierend, übermütig, mit Genuss!! Wir hinterfragten Rollenstereotype und rührten an Tabus. Wir bauten das Flugzeug während wir es flogen.
Wie siehst du die Bedeutung der Flying Lesbians heute?

 

Monika Jaeckel

Jede Bewegung braucht ihre Lieder, ihre Rituale, ihren Kult. Das schafft Identifikation und stellt Gemeinsamkeit her. Die Flying Lesbians gaben der Frauen- und Lesbenbewegung Klang und Stimme und transportierten die Aufbruchstimmung der frühen Jahre – aufmüpfig, grenzüberschreitend, parteiisch, größenwahnsinnig. Wir boten Frauen und der Frauenbewegung eine Identifikationsfläche, sich selbst zu feiern.

 

Monika Jaeckel

 

 

Danielle de Baat

Danielle de Baat lebt mit ihrer Ehefrau Angèle in Amsterdam. Sie arbeitet als Busfahrerin beim Verkehrsbetrieb Connexxion.Musikalisch ist sie aktiv geblieben. Nach ihrer Rückkehr aus Berlin spielte sie in einer holländischen Lesbenband “Vendetta”. Danach hat sie sich der Volksmusik zugewandt. Zusammen mit Angèle bildet sie das Duo „Saluti e Baci“. Sie spielen Musik der 4 Provinzen in Norditalien.

 

Duo Saluti e Baci
Foto: „Saluti e Baci“, Freilichtmuseum Cremona, 2006

Meine Freundin Angèle begleitet mich auf Ziehharmonika und ich spiele „Piffero“, ein Vorläufer der modernen Oboe. Mittlerweile kennen uns dort viele, die zu dieser Musik gern tanzen, auch weil wir eine gut besuchte Website führen, die Video‘s zeigt von Festen und Auftritten, auf denen die Musik der 4 Provinzen gespielt wird:
Auch könnt Ihr da ein Video von uns beiden sehen: www.salutiebaci.nl

Biografisches

Im Sommer 1975 war ich 21. Ich wohnte (und bin geboren) in Amsterdam und fuhr nach Femø, und hörte dort die Berliner Lesben wie sie erzählten von den tollen Sachen die sie in Berlin machten: Lesbenzeitung, Lesbisches Aktions Zentrum (LAZ)… „da muss ich hin!“ dachte ich mir, und ging. Mit meiner Gitarre, die musste sein. Ich hatte schon von klein auf darauf gespielt und auch eigene Songs gemacht. M.S. brachte mich vorläufig unter in der Wohngemeinschaft am Cosimaplatz. Auch eine WG war für mich was Neues. Sie hörte mich klimpern und fragte mich, ob ich nicht mitmachen wolle bei der Flying Lesbians LP, die damals gerade in der Mache war. Ich sagte „ja“, und dachte mir überhaupt nichts dabei. Ich hatte noch nie in einer Band gespielt, noch nie eine E-Gitarre angerührt. Ich bin mir auch nicht ganz sicher ob Monika die anderen Lesbians überhaupt gefragt hat vorher…
Was war an den Flying Lesbians das Wichtigste für Dich?

Zusammen mit Schlagzeugerin Gigi hatte ich eher die Musik als Ausgangspunkt, die Anderen waren mehr politisch motiviert. Das heisst nicht, dass ich mit den politischen Beweggründen nicht einverstanden war. Ich war halt noch sehr jung, musste mich natürlich auch in die Berliner Szene einfinden, und . auch nicht unwichtig – die Sprache lernen, das Deutsche und den Jargon.

Ich war, und bin immer noch, eine für praktische Projekte, und kümmere mich weniger um die politischen Gepflogenheiten. Da hatte ich noch schwer zu schaffen später, als alle möglichen Konflikte aufs Schärfste ausgekämpft wurden innerhalb der Berliner Lesbenbewegung…Da hat mir meine Mitgliedschaft bei den Flying Lesbians sehr geholfen bei meiner Einbürgerung.

Anekdotisches

Wir fuhren im verrauchten gemieteten VW-Bus kreuz und quer durch die Bundesrepublik Hunderte von Kilometern weit, nach München, Heidelberg, Hannover zu unseren “Gigs”.Mit unserer Anlage, die immer aufs Neue auf- und abgebaut werden musste.

Und immer wieder rauschender Erfolg. Im Nachhinein scheint es länger gedauert zu haben als es in Wirklichkeit war, denn ich habe alles in allem nur 4 Jahre in Berlin gewohnt. Ich bin meiner Freundin und heutiger Ehefrau (ja wir haben geheiratet…) begegnet und das war für mich Anlass zurückzukehren nach Amsterdam.

 

Christel Wachowski

Christel Wachowski hat nach dem BWL- und Ethnologiestudium in Berlin als Betriebswirtin in verschiedenen Unternehmen gearbeitet.
Seit fast 10 Jahren lebt sie zusammen mit ihrer langjährigen Freundin Ingeborg in München bzw. seit 2 Jahren nahe München auf dem Lande und fast in den Bergen (da kann sie als begeisterte Motorradfahrerin ihre Kurven drehen).
Zur Zeit arbeitet sie in München im Medienbereich. Musikalisch ist sie nur noch privat aktiv, aber das wird sich wieder ändern – sobald die Zeit es wieder zuläßt – mit steirischer Harmonika, Hackbrett und Zither und hin und wieder einem Jodler!

 

Christel Wachowski auf ihrem Motorrad

Biografisches

Ich spielte etwas (mehr recht als schlecht) Gitarre, hatte das nötige Kleingeld für das erforderliche Equipment (elektrische Gitarre, Verstärker etc.) und die richtige Einstellung: offensiv, keine Scheu vor Publikum, viel Lust, mit Frauen was Tolles zu machen, und auch genug Zeit.

Anekdotisches

Lustig war immer, unser technisches Equipment (Schlagzeug, Verstärker, Gitarren, etc.) in die „winzigsten“ Fahrzeuge für die Live-Auftritte zu verstauen. Als „Verpackungskünstlerin“ glaube ich, war ich auf jeden Fall erfolgreich.

Was war damals das Wichtigste an den FL für Dich?

Musik zu machen, die Gemeinsamkeit der Band, die politischen Inhalte, die Gigs und natürlich, anderen Frauen Freude zu bereiten und mit ihnen Spaß zu haben.

Wie siehst du die Bedeutung der FL heute?

Wir waren eine offensive, antörnende, bewußtseinsbildende Vorhut für eine neue, bessere Musikerinnen- generation.

 

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